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Mensch, Medizin und Gesellschaft

Mensch, Medizin und Gesellschaft 2017-11-06T10:17:54+00:00

Mensch, Medizin und Gesellschaft

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol & Prof. Dr. Raoul Motika

Hauptkooperationspartner: Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie

Laufzeit: Seit 2015

Neuartige medizinische Innovationen ermöglichen bisher nicht gekannte Eingriffe in die Natur des Menschen. Kulturell unterschiedliche Interpretationen und Umgangsformen beeinflussen den Umgang mit diesen grundlegend neuen Herausforderungen für die Gesellschaft, Kultur, Recht und Politik. Genome Editing, Eugenik-Programme, moderne Reproduktionstechnologien und Gesundheitsapps, die täglich unsere Fitness- und Gesundheitsdaten analysieren, sind nur einige Beispiele dafür, dass Medizin, Wissenschaft und Technik unterschiedliche Dimensionen individuellen und sozialen Lebens verändern. Durch diese dynamischen Veränderungen ergeben sich Fragen, wie diese Entwicklungen sozio-technische, sozio-kulturelle und sozio-politische Prozesse beeinflussen. Für eine junge und dynamische Gesellschaft wie die türkische sind diese Fragen besonders brisant – sich mit ihnen zu beschäftigen, ist deshalb von besonderer Relevanz. Zum 15. Mai 2015 hat Dr. Melike Şahinol ihre Tätigkeit zum Auf- und Ausbau des neuen Forschungsfelds „Mensch, Medizin und Gesellschaft“ aufgenommen. Dieses wird sich schwerpunktmäßig mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Praktiken der menschlichen Optimierung durch medizinische Innovationen in der Türkei aus der Perspektive der Science and Technology Studies beschäftigen. Mit diesem Forschungsfeld betritt das Orient-Institut Istanbul in der Türkei Neuland und bearbeitet erstmals die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen durch Bio-, Neuro-, Nano- und Informationstechnologien im medizinischen Bereich. Zentral für die Entwicklung dieses Forschungsfeldes ist die enge Zusammenarbeit mit der führenden deutschen Wissenschaftseinrichtung auf diesem Gebiet, dem Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Zu diesem Zweck wurde eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.

Additive Manufacturing: Enabling-Technologien in der Kindheit

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Laufzeit: Seit 2017

Das Projekt „Additive Manufacturing: Enabling-Technologien in der Kindheit“ beschäftigt sich mit dem Technikentwicklungsprozess der 3D-Roboterhand „Robotel“ für Kinder aus technik- und körpersoziologischer Perspektive. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen Fragen nach der interdisziplinären Koordination und Organisation des Designs einer 3D-Roboterhand unter Einbezug von Kindern, Eltern, Technikern, Medizinern, etc. Es wird zudem untersucht, welchen Einfluss Kinder und ihre Körper selbst auf den Technikentwicklungsprozess haben und wie die Mensch-Maschine-Anpassung unter Bedingungen des Heranwachsens bewerkstelligt wird. Das methodisch qualitativ angelegte Forschungsprojekt wird in enger Kooperation mit „Robotel Türkiye“ realisiert.

 

Neuroenhancement: Practices and Techniques (NEPTurkey)

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Laufzeit: Seit 2016

Das im Jahr 2016 begonnene Forschungsprojekt „Neuroenhancement: Practices and Techniques“ (türkisch: „Beyin Kapasitesinin Artırılması: Uygulamalar ve Teknikler“, Akronym: NEPTurkey, web: https://neuroenhancement.wordpress.com/) analysiert den Umgang mit erhöhten Arbeitsbelastungen bei Prüfungen oder mit Arbeitssituationen unter hohem Arbeitsaufwand und Termindruck im Allgemeinen. Die Studie soll die Praktiken und Techniken zur Verbesserung von Lern- und Arbeitsstrategien in der Türkei sichtbar machen (Leistungssteigerung des Gehirns durch pharmakologische, neurotechnische, etc. Mittel). Im Fokus der hier getroffenen Überlegungen steht eine erste Annäherung des Themas Neuroenhancement an ein theoretisches Konzept in der Soziologie, allerdings spezifisch im türkischen Kontext.

Blurred Boundaries of Assistive Reproduction Technologies (B.B.ART)

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Laufzeit: Seit 2015

Das Ziel dieses Forschungsvorhabens ist die Analyse der Praktiken assistierter Reproduktionstechnologien (ART) in der Türkei, oder in der Türkei ansässiger, die Erfahrungen mit ART, deren Regulatoren und interkulturellen Konsequenzen gemacht haben.

Fortsetzung oder Neuanfang? Responsible Research & Innovation (RRI) und Technology Assessment (TA)

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Laufzeit: Voraussichtlich ab 2018

Im Rahmen eines DFG-Netzwerkantrags mit dem Arbeitstitel „Fortsetzung oder Neuanfang? Responsible Research & Innovation (RRI) und Technology Assessment (TA)“, der gemeinsam mit weiteren NachwuchswissenschaftlerInnen vorbereitet wurde, soll das Forschungsfeld auf eine breitere Grundlage gestellt werden. Responsible Research & Innovation (RRI) gilt heute als bedeutender Ansatz der Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik und ist international erprobt, insbesondere auf europäischer Ebene. RRI sollte im Rahmen des Europäischen Forschungs- und Innovationsrahmenprogramms „Horizonte 2020“ gemeinsames Ziel für alle Projekte sein, die bis 2020 von der EU gefördert werden. Mit der zentralen Beteiligung des OII am beantragten Netzwerk werden kulturell/religiös unterschiedliche Perspektiven in die Konzeption des RRI eingebracht und die Weichen für zukünftige Kooperationen in EU-Projekten mit ausgewiesenen Partnern gestellt.

Şahinol, Melike / Kuhnt, Anne-Kristin (2017): “Quo Vadis Fetura? Reproduktionstechnologien als Teil des Human Enhancement: Ein Ländervergleich zwischen Deutschland und der Türkei”. In: Goecke, Benedikt Paul: Designobjekt Mensch? Transhumanismus in Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften, Herder Verlag (im Erscheinen)

Şahinol, Melike (2017): “Reproductive Health in Turkey: From Enhancing Eggs to Intercultural Implications for RRI” In: Bowmann, Diana; Dijkstra, Anne; Fautz, Camilo; Guivant, Julia S.; Konrad, Kornelia; Shelley-Egan, Clare; Woll, Silvia (ed.): The Co-Production of Emerging Bodies, Politics and Technologies (im Erscheinen)

Şahinol, Melike (2017): “‘Help, the monster is eating me!’ – Loss of control of the technical vs. harmonically acting bio-technical figure of the cyborg in experimental neuroscientific therapy” In: Compagna, Diego & Steinhart, Stefanie (ed.): Anthology: Monsters and the Monstrous (im Erscheinen)

Şahinol, Melike (2016): Das techno-zerebrale Subjekt. Zur Symbiose von Mensch und Maschine in den Neurowissenschaften. Bielefeld: transcript Verlag

Şahinol, Melike (2014): “Sheila Jasanoff: Wissenschafts- und Technikpolitik in zeitgenössischen, demokratischen Gesellschaften”, in: Lengersdorf, Diana & Wieser, Matthias (Hg.): Schlüsselwerke der Science & Technology Studies: Springer Fachmedien Wiesbaden, 293-303. URL: http://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-531-19455-4_24

STS Turkey Gründungsveranstaltung

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Veranstaltungsdatum: 03. – 04. Oktober 2017

Hauptkooperationspartner: Arsev Umur Aydinoglu, Ph.D. (Coordinator, Design Factory, Middle East Technical University) und Asst. Prof. Dr. Harun Kaygan (Department of Industrial Design, Middle East Technical University)

Unterstützt von: Orient-Institut Istanbul, European Association for the Study of Science and Technology (EASST)

STS TURKEY ist das türkische Netzwerk für Wissenschafts- und Technikforschung. Das Netzwerk stellt eine internationale Plattform für die Zusammenarbeit von Forscherinnen und Forschern dar, die die Interdependenzen zwischen Wissenschaft, Technik und Gesellschaft mit türkischem Kontext untersuchen.

Tagung: Upgrades der Natur, künftige Körper: Interdisziplinäre und internationale Perspektiven

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Veranstaltungsdatum: 17. – 18. Juni 2016

Hauptkooperationspartner: Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie; Synenergene; Bio-Faction

Unterstützt von: Fritz Thyssen Stiftung

Die Möglichkeiten zur Manipulation des menschlichen Erbguts und Körpers, zur „Optimierung“ der Natur und zur Fremd- und Selbstgestaltung des Menschen entfalten sich rasant. Mithilfe neuer Verfahren werden beispielsweise Embryonen gentechnisch verändert und Depressionen über Hirnimplantate unterdrückt. Der als defizitär oder mängelbehaftet wahrgenommene biologische Körper erscheint zunächst in Zukunftsvisionen, zunehmend aber auch praktisch als Cyborg, als Ersatzteillager oder als Objekt technischer Aufrüstung. Die „Natur des Menschen“ wird durch gentechnische Eingriffsmöglichkeiten, Neuroprothesen, Chimären und andere technologische und medizinische Entwicklungen zunehmend in Frage gestellt. Entstehen neue Vorstellungen vom Menschsein? Wie wird diese „schöne neue Welt“ des scheinbar beliebig manipulierbaren Menschen aus interkultureller Perspektive aussehen? Wie geht eine mehrheitlich muslimische Gesellschaft mit diesen Techniken der Körpermodifikation und mit anderen, z.T. auch stark futuristischen Modifikationsmöglichkeiten und Technologien um? Das Ziel der Tagung war es, internationale, insbesondere deutsch-türkische Perspektiven zu Upgrades der Natur und zum künftigen Körper in einem interdisziplinären Austausch zusammenzuführen. Die kulturellen, wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Unterschiede zwischen den beiden auf zahlreichen Gebieten eng verflochtenen Ländern Deutschland und Türkei erlauben es zudem, die „westliche“ dominierte Sichtweise des bisherigen Diskurses über Human Enhancement kritisch zu hinterfragen und den deutschtürkischen wissenschaftlichen Austausch zum Thema zu machen.

DOGAYI GELISTIRMEK, GELECEKTEKI BEDENLER / UPGRADES DER NATUR, KÜNFTIGE KÖRPER

Vortragsreihe: Designing Nature, Upgrading Human Life? Reflections on how Medicine, Science and Technology Transform our Lives

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Veranstaltungsdatum: Herbst 2016 / Frühjahr 2017

Aktuelle Entwicklungen in Medizin, Wissenschaft und Technik ermöglichen eine bisher nicht gekannte „Optimierung“ des Menschen. Die Vortragsreihe widmete sich der interdisziplinären und interkulturellen Auseinandersetzung mit den Folgen dieser Entwicklungen. Der Fokus lag dabei auf dem Wechselverhältnis zwischen den aus der Praxis der Life Sciences resultierenden Veränderungen des Menschen und den gesellschaftlichen Vorstellungen vom Menschsein und der Natur des Lebens. Welche kulturellen und gesellschaftlichen Folgen haben diese wissenschaftlich-technischen Eingriffe in die Biologie des Menschen? Welche Konsequenzen können sich daraus für unsere Gesellschaften ergeben? Führen diese Eingriffe in die biologische Natur des Menschen und die daraus resultierenden Veränderungen tatsächlich zu einer Verbesserung des Lebens?

Mit dieser Vortragsreihe stellte das Orient-Institut Istanbul sein neues Forschungsfeld „Mensch, Medizin und Gesellschaft“ der Öffentlichkeit vor und startete einen wissenschaftlichen Dialog zu diesen Fragen zwischen deutschen und türkischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

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