Mensch, Medizin und Gesellschaft

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol & Prof. Dr. Raoul Motika

Hauptkooperationspartner: Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie

Laufzeit: Seit 2015

Neuartige medizinische Innovationen ermöglichen bisher nicht gekannte Eingriffe in die Natur des Menschen. Kulturell unterschiedliche Interpretationen und Umgangsformen beeinflussen den Umgang mit diesen grundlegend neuen Herausforderungen für die Gesellschaft, Kultur, Recht und Politik. Genome Editing, Eugenik-Programme, moderne Reproduktionstechnologien und Gesundheitsapps, die täglich unsere Fitness- und Gesundheitsdaten analysieren, sind nur einige Beispiele dafür, dass Medizin, Wissenschaft und Technik unterschiedliche Dimensionen individuellen und sozialen Lebens verändern. Durch diese dynamischen Veränderungen ergeben sich Fragen, wie diese Entwicklungen sozio-technische, sozio-kulturelle und sozio-politische Prozesse beeinflussen. Für eine junge und dynamische Gesellschaft wie die türkische sind diese Fragen besonders brisant – sich mit ihnen zu beschäftigen, ist deshalb von besonderer Relevanz. Zum 15. Mai 2015 hat Dr. Melike Şahinol ihre Tätigkeit zum Auf- und Ausbau des neuen Forschungsfelds „Mensch, Medizin und Gesellschaft“ aufgenommen. Dieses wird sich schwerpunktmäßig mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Praktiken der menschlichen Optimierung durch medizinische Innovationen in der Türkei aus der Perspektive der Science and Technology Studies beschäftigen. Mit diesem Forschungsfeld betritt das Orient-Institut Istanbul in der Türkei Neuland und bearbeitet erstmals die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen durch Bio-, Neuro-, Nano- und Informationstechnologien im medizinischen Bereich. Zentral für die Entwicklung dieses Forschungsfeldes ist die enge Zusammenarbeit mit der führenden deutschen Wissenschaftseinrichtung auf diesem Gebiet, dem Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Zu diesem Zweck wurde eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.

Additive Manufacturing: Enabling-Technologien in der Kindheit

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Laufzeit: Seit 2017

Das Projekt „Additive Manufacturing: Enabling-Technologien in der Kindheit“ beschäftigt sich mit dem Technikentwicklungsprozess der 3D-Roboterhand „Robotel“ für Kinder aus technik- und körpersoziologischer Perspektive. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen Fragen nach der interdisziplinären Koordination und Organisation des Designs einer 3D-Roboterhand unter Einbezug von Kindern, Eltern, Technikern, Medizinern, etc. Es wird zudem untersucht, welchen Einfluss Kinder und ihre Körper selbst auf den Technikentwicklungsprozess haben und wie die Mensch-Maschine-Anpassung unter Bedingungen des Heranwachsens bewerkstelligt wird. Das methodisch qualitativ angelegte Forschungsprojekt wird in enger Kooperation mit „Robotel Türkiye“ realisiert.

Hair:y_less Masculinities: Eine Kartographie. Ein Vergleich zwischen der Islamischen Republik Iran und der Republik Türkei

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Projektmitarbeiter: Burak Taşdizen, MSc

Laufzeit: 01/2020-01/2022

Projekt blog: https://hairyless.hypotheses.org/

“Hair:y_less Masculinities” ist Teil des Projekts Wissen entgrenzen der  Max Weber Stifrung und wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Die wachsende kulturelle Begeisterung für kosmetische Chirurgie und die medizin-technische Modifikation des Körpers hat längst die Männerwelt und damit auch die medikalisierte Maskulinitäten erreicht. Zu den Top 5 der von Männern am häufigsten gewählten kosmetischen Verfahren gehören die gehören die Laserhaarentfernung in der Kategorie der kosmetischen minimal-invasiven Verfahren und die Haartransplantation in der Kategorie der kosmetisch-chirurgischen Verfahren. Als weltweit führende Destinationen für den Schönheitssektor sind insbesondere zwei Länder von Interesse: die Republik Türkei, die eher von westlichen Schönheitstourist*innen bevorzugt ist, und die Islamische Republik Iran, die eher bei Menschen aus dem Nahen Osten beliebt ist.

Mit besonderem Schwerpunkt auf der Somatechnik von männlicher Haarentfernung und -transplantation analysiert dieses Projekt die Disziplinierung von Männerhaaren durch eine Kartographie der Normen und Praktiken der männlichen Körperhaarentfernung und -transplantation im Iran und in der Türkei. Die vergleichende Perspektive zwischen diesen Ländern ist deshalb wichtig, um länderspezifische sozio-kulturelle Unterschiede in den Praktiken und Einflüsse aus unterschiedlichen Strömungen herauszuarbeiten. Dadurch werden auch Empowerment-Strategien trotz kultureller Nähe und Gewohnheiten beider Länder im Bereich der Schönheit, Körperpflege und (medikalisierter) Maskulinitäten analysiert.

eHealth: Techniken und Praktiken digitaler Selbstvermessung und deren sozio-kulturelle Faktoren in der Türkei (VALID-TR)

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Projektmitarbeiterin: Dr. Gülşah Başkavak

Projektförderung: Bundesministerium für Gesundheit
Projektpartner und Leitung (Deutschland): Prof. Dr. Stefan Selke, Hochschule Furtwangen

Laufzeit: 11/2017 – 02/2020

Das OII beteiligt sich an dem vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Verbundantrag „Digitale Gesundheitsdaten zwischen sozialer Inklusion und sozialer Robustheit“, welches von Prof. Dr. Stefan Selke an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Furtwangen (HFU) geleitet wird.
Auf Basis seiner Türkei-Kompetenz beschäftigt sich das Orient-Institut Istanbul im Rahmen des Projekts insbesondere mit der Recherche zu den unterschiedlichen normativen Rahmungen digitaler Selbstvermessung in der Türkei und den sich daraus abzuleitenden ethischen Kriterien aus einer interkulturellen Perspektive. Dabei ist die Frage, unter welchen Umständen selbst und freiwillig erhobene digitale Daten zu einem sozial stratifizierenden Gut werden und welche individuellen und gesellschaftlichen Auswirkungen damit verbunden sind, besonders relevant.

Neuroenhancement: Practices and Techniques

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Laufzeit: Seit 2016

Das im Jahr 2016 begonnene Forschungsprojekt „Neuroenhancement: Practices and Techniques“ (türkisch: „Beyin Kapasitesinin Artırılması: Uygulamalar ve Teknikler“, Akronym: NEPTurkey, web: https://neuroenhancement.wordpress.com/) analysiert den Umgang mit erhöhten Arbeitsbelastungen bei Prüfungen oder mit Arbeitssituationen unter hohem Arbeitsaufwand und Termindruck im Allgemeinen. Die Studie soll die Praktiken und Techniken zur Verbesserung von Lern- und Arbeitsstrategien in der Türkei sichtbar machen (Leistungssteigerung des Gehirns durch pharmakologische, neurotechnische, etc. Mittel). Im Fokus der hier getroffenen Überlegungen steht eine erste Annäherung des Themas Neuroenhancement an ein theoretisches Konzept in der Soziologie, allerdings spezifisch im türkischen Kontext.

Contested socio-(bio-)technical imaginaries: Framing Milk Bank Governance in Iran, Turkey and Europe

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Projektmitarbeiterin: Dr. Burcu Mutlu

Dauer: 04.2019-12.2019

Contested socio-(bio-)technical imaginarieswar Teil des Projekts Wissen entgrenzen der  Max Weber Stifrung und wurde gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Das Projekt befasst sich mit historischen Trajektorien und aktuellen sozio-technischen und biopolitischen Transformationen der Muttermilch aus soziologischer Perspektive, indem komplexe Trajektorien von Muttermilch-Spenderbanken in der Islamischen Republik Iran und der Türkei und Europa in den Fokus gerückt werden. Ziel ist es, Biobanking-Praktiken im Zeitalter von „Enhancement Gesellschaften“ nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene, sondern auch als Strategien der Selbstermächtigung kritisch zu untersuchen.

Blurred Boundaries of Assistive Reproduction Technologies

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Laufzeit: 2015-2018

Das Ziel dieses Forschungsvorhabens ist die Analyse mehrere Aspekte Assistierter Reproduktionstechnologien (ART) in der Türkei, z.B. ihre regulatorischen und interkulturellen Konsequenzen und ihre internationale Reichweite (z.B. hinsichtlich einer international adaptierten Technikfolgenabschätzung bzw. einer globalen TA oder Responsible Research & Innovation im globalen Kontext).

Şahinol, M., Coenen, C., & Motika, R. (2020). Upgrades der Natur, künftige Körper: Interdisziplinäre und internationale Perspektiven. Wiesbaden: Springer Fachmedien (forthcoming).

Şahinol, M. (2020). My Cyborg Performance as a Techno-Cerebral Subject. In  Chris Hables Gray, Steven Mentor and Heidi Figueroa Sarriera (Eds.) Modified: Living as a Cyborg (forthcoming). Routledge.

Şahinol, M. (2020). eHealth applications in Knowledge Landscapes. In A. L. Svalastog, S. Gajovic & A. Webste (Eds.), Navigating Knowledge Landscapes: Digital Systems and Health Agency. Book series Health, Technology & Society. Palgrave Macmillan (forthcoming).

Şahinol, M. (2019). Collecting Data and the Status of the Research Subject in Brain-Machine Interface Research in Chronic Stroke Rehabilitation. In: Somatechnics 9.2-3 (2019): 244–263, Edinburgh University Press.

Şahinol, M., Aydınoğlu, A., & Kaygan, H. (2018). STS (in) Turkey as Extitution. EASST Review, 37(1).

Şahinol, M. (2018). Die Überwindung der ‘Natur des Menschen’ durch Technik. Körper-Technik-Verhältnisse am Beispiel der Cyborgkonstitution in den Neurowissenschaften. In B. P. Goecke & F. Meier-Hamidi (Eds.), Designobjekt Mensch? Transhumanismus in Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften (pp. 461-489). Freiburg / Basel / Vienna: Herder Verlag.

Şahinol, M., & Kuhnt, A.-K. (2018). Quo Vadis Fetura? Reproduktionstechnologien als Teil des Human Enhancement: Ein Ländervergleich zwischen Deutschland und der Türkei. In B. P. Goecke & F. Meier-Hamidi (Eds.), Designobjekt Mensch? Transhumanismus in Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften (pp. 429-459). Freiburg / Basel / Vienna: Herder Verlag.

Şahinol, M. (2017). Reproductive Health in Turkey: From Enhancing Eggs to Intercultural Implications for Responsible Research and Innovation. In D. M. Bowman, A. Dijkstra, C. Fautz, J. Guivant, K. Konrad, C. Shelley-Egan, & S. Woll (Eds.), The Politics and Situatedness of Emerging Technologies (Vol. 8, pp. 111-127). Berlin: IOS Press.

Organisation von Konferenzen und Workshops (Auswahl)

Workshop: „Technology and the Body: Care, Empowerment and the Fluidity of Bodies

Akademische Koordination: Dr. Melike Şahinol (OII)

Veranstaltungsdatum: 01/21/2020

Unterstütz von: Orient-Institut Istanbul

As part of the “Knowledge Unbound” TM 2c IRSSC project, an internal workshop titled “Technology and the Body: Care, Empowerment and the Fluidity of Bodies” was held at the Orient-Institut Istanbul on 21 January 2020. The workshop brought together two research areas of the institute, namely, “Human, Medicine and Society” and “Study of Religions”, each with a distinctive approach to the study of body.

The workshop involved 13 participants including researchers, artists and locals (from Turkey and Iran) of diverse backgrounds for a fruitful exchange of knowledge and expertise on the IRSSC project. The research areas of the participants span from sociology of medicine to study of religions, from sociology of Middle East to masculinity studies and disability studies in feminist technoscience.

STS TURKEY Science, Technology and Society Winter School 2020

Organisation: Dr. Melike Şahinol (OII)

Veranstaltungsdatum: 01/14-16/2020

Co-Organisation: Arsev Umur Aydinoglu, Ph.D. (Middle East Technical University), Emine Öncüler Yayalar (Bilkent University) and Şafak Kılıçtepe

Unterstütz von: Bilkent Üniversitesi, ODTÜ Tasarım Fabrikası

The second STS TURKEY Science, Technology and Society Winter School will be held on 14-16 January 2020 at METU Design Factory, Ankara. The Winter School supported by Bilkent University and METU Design Factory will provide 10 lectures by senior researchers and professors from different disciplines within three days, and will be completed with a half-day discussion, where the participants come up their current research subjects.

Vortragsreihe: „Human, Medicine and Society: Past, Present and Future Encounters“ program / „İnsan, Tıp ve Toplum: Geçmiş, Bugün ve Gelecek Buluşmaları”

Akademische Koordinatorin: Dr. Melike Şahinol (OII)

Veranstaltungszeitraum: 12/04/2019-03/04/2020

The issue of Human, Medicine and Society encompasses a broad and interdisciplinary spectrum of topics. Ongoing innovations in medicine, science and technology have led to various possibilities and restructuring orders. These innovations are concerned with social and cultural aspects of illness and health, medicine, health care organizations and health policies. Hence, new practices of self-care combined with prevention and health promotion are becoming increasingly relevant. The historical constitution and effectiveness of the interrelation of medicine, science and technology is also important in this context as its transformation processes affect our present and future on various levels.

On the individual level, new forms of human-machine constellations have emerged as a result of the evolvement of bionic body parts for instance. On a social level, these changes cause modifications such as doctor-patient relationships, for example, and create new occupations or socio-technical environments influenced by the intertwining of society with technology. Along these lines, new forms of institutionalization, discrimination and also legal matters with regard to health and society occur. As medical drugs, devices and technologies are applied for non-therapeutic purposes, ‘human enhancement’ is a highly controversial discussion topic fostering new understandings of a ‘healthy society’. Likewise, medical innovations raise questions about the impact of these developments in shaping socio-technical, cultural, ethical, legal and political aspects of living in an ‘enhancement society’.

These issues and questions are further discussed and elaborated on in a series of interdisciplinary lectures.

STS TURKEY “Science, Technology and Society” Winter School 2019

Ausstellung Cyborg Encounters

Wissenschaftliche Beraterin: Dr. Melike Şahinol (OII)

Künstler*innen: Ayşe Melis Okay, Beyza Dilem Toptal, Burak Kaynar, Burak Taşdizen, Umut Özöver, Öykü Sorgun, Pelin Günay

Event: STS TURKEY 2019 conference, Istanbul Technical University

Veranstaltungsdatum: 09/10-12/2019

‘Cyborg Encounters’ offers an experience of a universe; in between past, present and future constituted of hybrids born from the coupling of humans and nonhumans, beyond species and genders. It lives in the duality of integrated circuits and feelings of monachopsis, defying the order of things.

As a placeless local, you will encounter sections from the cyborg universe. In this creation; cyborg is a political, poetic, living or inanimate, digital or mechanical intervention; with or without a body and flesh. In this exhibition, a narrative in which fiction and reality intertwine, cultivates the theories of the cyborg, feminist technoscience, human enhancements, laboratory studies and politics of disability/ability and artifacts.

STS TURKEY 2019 Konferenz

Istanbul Technical University (ITU), hosted by ITU Master Program and the Department of Science, Technology and Society and the Department of Human and Society Sciences (ITU).

Organisationskommitee:
Prof. Dr. Aydan Turanlı, İstanbul Teknik Üniversitesi (Düzenleme Kurulu Başkanı)
Dr. Asli Çalkıvik, İstanbul Teknik Üniversitesi (Düzenleme Kurulu)
Dr. Özlem Yılmaz, İstanbul Teknik Üniversitesi (Düzenleme Kurulu)
Dr. Melike Şahinol, Orient-Institut İstanbul (STS TURKEY coordinator)
Dr. Arsev Umur Aydınoğlu, Orta Doğu Teknik Üniversitesi (STS TURKEY coordinator)
Dr. Harun Kaygan, Orta Doğu Teknik Üniversitesi (STS TURKEY coordinator)

Unterstütz von: STS TURKEY, Inventram

STS TURKEY „Science, Technology and Society“ Winter School 2019

Verantwortlich: STS TURKEY Koordination (insb. Dr. Melike Şahinol)

Veranstaltungsdatum: 24. – 26.01.2019

Unterstütz von: Orient-Institut Istanbul

WorldCafé: Quo vadis Human, Transhuman, Posthuman?

Verantwortlich: STS TURKEY Koordination (insb. Dr. Melike Şahinol) in Zusammenarbeit mit der Middle East Technical University, Department of Philosophy and Applied Ethics (Ankara, Türkei), im Rahmen der 3rd National Conference on Applied Ethics

Veranstaltungsdatum: 28. November 2018

STS TURKEY 2018 Toplum için Bilim ve Teknoloji Çalışmaları

Verantwortlich: STS TURKEY Koordination (darunter Dr. Melike Sahinol) in Kooperation mit der Middle Eastern Technical University, Science and Technology Policy Studies und der Middle Eastern Technical University, Industrial Design (Ankara, Türkei)

Veranstaltungsdatum: 10. – 11.09.2018

Unterstützt von: Orient-Institut Istanbul, ODTÜ-TEKPOL

STS Turkey Gründungsveranstaltung

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Veranstaltungsdatum: 03. – 04. Oktober 2017

Hauptkooperationspartner: Arsev Umur Aydinoglu, Ph.D. (Coordinator, Design Factory, Middle East Technical University) und Asst. Prof. Dr. Harun Kaygan (Department of Industrial Design, Middle East Technical University)

Unterstützt von: Orient-Institut Istanbul, European Association for the Study of Science and Technology (EASST)

STS TURKEY ist das türkische Netzwerk für Wissenschafts- und Technikforschung. Das Netzwerk stellt eine internationale Plattform für die Zusammenarbeit von Forscherinnen und Forschern dar, die die Interdependenzen zwischen Wissenschaft, Technik und Gesellschaft mit türkischem Kontext untersuchen.

Tagung: Upgrades der Natur, künftige Körper: Interdisziplinäre und internationale Perspektiven

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Veranstaltungsdatum: 17. – 18. Juni 2016

Hauptkooperationspartner: Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie; Synenergene; Bio-Faction

Unterstützt von: Fritz Thyssen Stiftung

Die Möglichkeiten zur Manipulation des menschlichen Erbguts und Körpers, zur „Optimierung“ der Natur und zur Fremd- und Selbstgestaltung des Menschen entfalten sich rasant. Mithilfe neuer Verfahren werden beispielsweise Embryonen gentechnisch verändert und Depressionen über Hirnimplantate unterdrückt. Der als defizitär oder mängelbehaftet wahrgenommene biologische Körper erscheint zunächst in Zukunftsvisionen, zunehmend aber auch praktisch als Cyborg, als Ersatzteillager oder als Objekt technischer Aufrüstung. Die „Natur des Menschen“ wird durch gentechnische Eingriffsmöglichkeiten, Neuroprothesen, Chimären und andere technologische und medizinische Entwicklungen zunehmend in Frage gestellt. Entstehen neue Vorstellungen vom Menschsein? Wie wird diese „schöne neue Welt“ des scheinbar beliebig manipulierbaren Menschen aus interkultureller Perspektive aussehen? Wie geht eine mehrheitlich muslimische Gesellschaft mit diesen Techniken der Körpermodifikation und mit anderen, z.T. auch stark futuristischen Modifikationsmöglichkeiten und Technologien um? Das Ziel der Tagung war es, internationale, insbesondere deutsch-türkische Perspektiven zu Upgrades der Natur und zum künftigen Körper in einem interdisziplinären Austausch zusammenzuführen. Die kulturellen, wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Unterschiede zwischen den beiden auf zahlreichen Gebieten eng verflochtenen Ländern Deutschland und Türkei erlauben es zudem, die „westliche“ dominierte Sichtweise des bisherigen Diskurses über Human Enhancement kritisch zu hinterfragen und den deutschtürkischen wissenschaftlichen Austausch zum Thema zu machen.

DOGAYI GELISTIRMEK, GELECEKTEKI BEDENLER / UPGRADES DER NATUR, KÜNFTIGE KÖRPER

Vortragsreihe: Designing Nature, Upgrading Human Life? Reflections on how Medicine, Science and Technology Transform our Lives

Verantwortlich: Dr. Melike Şahinol

Veranstaltungsdatum: Herbst 2016 / Frühjahr 2017

Aktuelle Entwicklungen in Medizin, Wissenschaft und Technik ermöglichen eine bisher nicht gekannte „Optimierung“ des Menschen. Die Vortragsreihe widmete sich der interdisziplinären und interkulturellen Auseinandersetzung mit den Folgen dieser Entwicklungen. Der Fokus lag dabei auf dem Wechselverhältnis zwischen den aus der Praxis der Life Sciences resultierenden Veränderungen des Menschen und den gesellschaftlichen Vorstellungen vom Menschsein und der Natur des Lebens. Welche kulturellen und gesellschaftlichen Folgen haben diese wissenschaftlich-technischen Eingriffe in die Biologie des Menschen? Welche Konsequenzen können sich daraus für unsere Gesellschaften ergeben? Führen diese Eingriffe in die biologische Natur des Menschen und die daraus resultierenden Veränderungen tatsächlich zu einer Verbesserung des Lebens?

Mit dieser Vortragsreihe stellte das Orient-Institut Istanbul sein neues Forschungsfeld „Mensch, Medizin und Gesellschaft“ der Öffentlichkeit vor und startete einen wissenschaftlichen Dialog zu diesen Fragen zwischen deutschen und türkischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Shahrzad Irannejad (RTG 1876 “Early Concepts of Humans and Nature”, JGU Mainz), Titel der Dissertation: Localization of the Avicennean Inner Senses in a Hippocratic Body (1.9.2019–29.2.2020)

Benan Grams (Georgetown University), Titel der Dissertation: The History of Ottoman Medicine in Syria 1832-1919 (1.7.2019–31.12.2019)

Şafak Kılıçtepe (Indiana University Bloomington), Titel der Dissertation: Reproductive Technologies, Pronatalism and Ethnicity: An Ethnography of Situated Reproduction in Turkey (28.11.2018–10.5.2019)

Maria Kramer (London School of Economics and Political Science, LSE), Titel der Dissertation: The Inherited Risk”. The Medicalisation of Consanguineous Marriage in Contemporary Turkey (19.10.2016–18.3.2017)

Hande Güzel (University of Cambridge), Titel der Dissertation: Becoming of the Body through Re-Virginization Practices in Turkey (1.10.2016–28.2.2017)