Forschungsschwerpunkt Iran

Verantwortlich: Dr. Katja Rieck (bis September 2020: Prof. Dr. Raoul Motika)

Laufzeit: Seit April 2019

Das Gebiet des heutigen Irans war lange Zeit mit Anatolien im Westen und Südasien im Osten durch ein Netzwerk des Austausches verbunden, das sich auf Sprache, Religion, Kunst, Wissenschaft und Politik auswirkte. Auch heute sind diese Gebiete durch unterschiedliche kulturelle, wirtschaftliche, religiöse und soziale Netzwerke vielfältig miteinander verflochten, wenngleich sich Form und Inhalt zum Teil stark verändert haben. Allerdings hat die Etablierung disziplinärer Schwerpunkte wie Naher Osten und Südasien oder die zunehmende Ausdifferenzierung auch innerhalb der Turkologie und Iranistik dazu geführt, dass solche Vernetzungen und transnationalen Felder etwas aus dem Blick geraten sind. Jüngste Entwicklungen in den Geisteswissenschaften haben nach Wegen gesucht, solche blinden Flecken der Forschung zu überwinden, indem sie zum Beispiel die Verflechtungen des Mittelmeerraums oder der Welt des Indischen Ozeans bewusst in den Fokus nehmen. Ein ähnliches Potenzial für innovative Forschung besteht darin, die Verbindungen zwischen dem Gebiet des heutigen Iran und der umliegenden Region eines zumindest historischen iranischen Kulturraums, der sich von den westlichen Rändern Anatoliens über Mittelasien bis nach Südasien erstreckt, ernst zu nehmen.

Tagungen und Workshops zu gegenwartsbezogenen wie auch historischen Themenfeldern bilden einen wichtigen Schritt zum Aufbau eines durch eine deutsch-iranische Kooperation angestoßenen, internationalen Forschungsnetzwerks. 

Ermöglicht wurde die Einrichtung des neuen Forschungsschwerpunkts durch die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen des Großprojekts Wissen Entgrenzen der Max Weber Stiftung.

International Standing Working Group Iran and Beyond – Breaking the Ground for Sustainable Scholarly Collaboration (IRSSC)

Performanz von Kultur, Religion und Körper als Strategien der Selbstermächtigung in der Islamischen Republik Iran

Projektleitung: Dr. Katja Rieck
Principal Investigators: 
PD Dr. Robert Langer (OII-Forschungsfeld Religionsgeschichte Anatoliens),
PD Dr. Judith I. Haug (OII-Forschungsfeld Musik im Osmanischen Reich und in der Türkei),
Dr. Melike Şahinol (OII-Forschungsfeld Mensch, Medizin und Gesellschaft)
Projektdauer: April 2019 – April 2022

Die International Standing Working Group IRSSC hat das Ziel, mittels innovativer Forschungsthemen Möglichkeiten und Grenzen der Kooperation mit insbesondere iranischen Kolleginnen und Kollegen sowie Wissenschaftseinrichtungen auszuloten. Kulturelle, soziale und religiöse Zusammenhänge im transregionalen Kontinuum zwischen Anatolien und Iran bis nach Pakistan stehen dabei im Fokus.

Unter schwierigen ökonomischen Rahmenbedingungen und im Kontext raschen soziokulturellen Wandels infolge von Globalisierung und demographischen Veränderungen nutzen die Menschen im Iran die ihnen zur Verfügung stehenden kulturellen Ressourcen auf vielfältige Weise. Durch Globalisierung, Migration, Urbanisierung und die Verbreitung (techno)medialer Kommunikationsmöglichkeiten modifizieren und multiplizieren sich kulturelle Ausdrucksformen und differenzieren sich gesellschaftlich aus. Lokale wie auch globale Muster der kulturellen, religiösen und körperlichen Performanz gewinnen dabei an Bedeutung. Tradierte Formen der Authentizität (wie Minderheitsidentitäten oder regionale Musikformen), globale kulturelle Ausdrucksformen (Esoterik, neue Formen der Religiosität, Transhumanismus als postmoderne Strömung, Vegetarismus/Veganismus, musikalische Subkulturen), aber auch moderne technologische Möglichkeiten zur „Verbesserung der menschlichen Natur“ (‚Human Enhancement‘) erzeugen tiefgreifende Transformationen von sozialer Interaktion und Gruppenidentitäten sowie des menschlichen Körpers. IRSSC untersucht anhand ausgewählter Forschungsfragen schwerpunktmäßig im Raum Türkei–Iran–Pakistan, wie diese Konzepte auch grenzüberschreitend miteinander verflochten oder parallel zueinander wirkmächtig sind. 

Die schöpferische Aneignung von Praktiken und Diskursen zur sozialen und individuellen Selbstbehauptung geschieht in einem Spannungsverhältnis und in Wechselwirkung mit heute gültigen normativen Strukturen und Praktiken. Diese umfassen beispielsweise den schiitischen Islam, z. B. hinsichtlich des körperlichen Habitus, der religiösen Rituale, der Geschlechterrollen sowie des aktiven und passiven Zugangs zu Musik. Die Bedingungen moderner Medialität und dadurch vervielfachter sozialer Interaktion führen dabei zu einem größeren, ausdifferenzierten und hybriden Repertoire im Umgang mit Institutionen wie auch mit einer internationalen Öffentlichkeit, z. B. über soziale Medien. Dies soll in Bezug auf die kulturellen Felder Musik, Religion und (körperverändernde) therapeutische und nicht-therapeutische Medizin mit kultur- und sozialwissenschaftlichen Methoden erforscht werden.

Ziel von IRSSC ist neben empirischer Projektforschung das Aufzeigen von Potentialen zum Aufbau eines internationalen Forschungsverbunds, der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Region, insbesondere Irans, in die internationale Wissenskommunikation und -produktion einbezieht. 

Drei Forschungsfelder des Orient-Instituts Istanbul (Musik im Osmanischen Reich und in der Türkei, Religionsgeschichte Anatoliens und Mensch, Medizin und Gesellschaft) betreuen im Rahmen von IRSSC sowie innerhalb des Forschungsschwerpunktes Iran folgende Projekte:

Iran: Klassische Musik und Gesellschaft

Projektleitung: Dr. des. Kamyar Nematollahy, Musiker und Musikethnologe an der Universität zu Köln.

Das Projekt untersucht die wechselseitige Beziehung zwischen iranischer klassischer Musik und den sozio-politischen Verhältnissen des Landes in der jüngeren Vergangenheit. Ziel des Projekts ist es, die Dynamik des Wandels in der iranischen Musik im Kontext verschiedener gesellschaftspolitischer Faktoren wie Staatsideologie, Selbstreflexion, kollektiver Identität, Modernisierung und Globalisierung aufzuzeigen. Des Weiteren werden die Funktionen, die Musik bei der Konstruktion oder Imagination einer kollektiven Identität im Iran erfüllt, analysiert.

In drei Artikeln werden die Forschungsergebnisse entsprechend den genannten Untersuchungsbereichen vorgestellt:

„Iranische klassische Musik. Virtueller Raum, realer Wandel“.

Dieser Beitrag untersucht den Einfluss sozialer Medien auf performative und soziale Aspekte der iranischen klassischen Musik. Um die Veränderungen zu beleuchten, die die sozialen Netzwerke in den Praktiken und sozialen Kontexten der iranischen Musik bewirken, werden Methoden verschiedener Disziplinen wie Musikwissenschaft, Sozialanthropologie und Medienwissenschaften eingesetzt. Eine der wichtigsten Quellen für diese Forschung sind die relevanten Text-, Bild- und Audio-Daten im Internet. Die wichtigsten Plattformen, über die Daten gesammelt werden, sind Instagram und Telegram, da diese bei Iranern sehr beliebt sind und als Orte des Austauschs und der Verbreitung von Informationen zentrale Bedeutung haben. Zur Analyse iranischer Musik im Kontext der neuen Medien und des Internets – ein in Bezug auf den Iran bisher wenig erforschtes Thema – hat Nematollahy eine online-Feldforschung durchgeführt, die sowohl Teilnehmende Beobachtung als auch Interviews mit in den sozialen Medien aktiven Musikern umfasst.

„Iranische Musik und die Konstruktion kollektiver Identität vor und nach der Revolution: die 1970er und 1980er Jahre“.

Dieser Artikel untersucht die Wechselwirkung zwischen klassischer iranischer Musik und kollektiver Identität im Iran vor allem in den ersten Jahren nach der islamischen Revolution. Eines der zentralen Themen dieses Beitrags ist die Beziehung zwischen der Musikreihe Chāvosh als einflussreichste Serie von Musikproduktionen der späten 1970er und 1980er Jahre und den sozio-politischen Verhältnissen im Iran. Neben den sozialen und politischen Aspekten von Chāvosh werden auch die technischen Aspekte dieser Kompositionen anhand von Musik- und Liedtexttranskriptionen analysiert. Dies stellt in der wissenschaftlichen Forschung zu iranischer Musik einen neuartigen Ansatz dar. Der Artikel basiert auf Interviews mit einflussreichen Musikern darüber, wie sie Identität wahrnehmen und wie diese sich in ihr Werk überträgt.

„Musikinstitutionen als Weg zum Verständnis iranischer Musik“.

Die Zahl nichtstaatlicher Musikinstitutionen im Iran hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Dieser Artikel untersucht die verschiedenen Instrumente und musikalischen Gattungen, die in einigen der bekanntesten Institute Teherans unterrichtet werden. Darüber hinaus werden die musikalischen Aktivitäten verschiedener Altersgruppen und Geschlechter verglichen. Ein Hauptziel dieses Forschungsprojekts ist es, den Musikgeschmack der Iraner in verschiedenen Altersgruppen aufzuzeigen. Außerdem soll der Stellenwert der klassischen iranischen Musik im Musiklehrplan thematisiert werden, da sich die musikalischen Trends im Iran im Laufe der Zeit verändern. Die Daten werden durch Beobachtungen und Feldforschung in Musikinstituten in Teheran erhoben. Darüber hinaus sollen die hier gewonnenen Einblicke in iranische Musikinstitute künftige internationale Kooperationen auf dem Gebiet der Musikwissenschaft erleichtern.

Wissen vor Epidemien: (Islamische) Humoralmedizin vs. Prophetische Medizin

ProjektleitungShahrzad Irannejad

Laufzeit: Oktober 2020 – September 2021

Analog zur stetig wachsenden Attraktionskraft der globalen Bewegung „Complementary and Alternative Medicine“ (CAM) lässt sich in den letzten zehn Jahren im Iran eine lokale Wiederbelebung eines Zweigs der „komplementären und alternativen Medizin“ beobachten, der als „Traditionelle Persische Medizin“ (TPM) bezeichnet wird. Aus historischer Perspektive ist die TPM aus der humoralen, griechisch-arabischen Medizin hervorgegangen, wie sie in der persischen Welt rezipiert wurde. Dieser Wissenskorpus teilt seine Grundlagen der humoralen Pathophysiologie mit einer anderen, konkurrierenden Wissenstradition: der „Prophetischen Medizin“ (PM). Der humoralmedizinische Rahmen, der beiden Richtungen gemeinsam ist, entbehrt in seinen kanonischen, enzyklopädischen Texten eines expliziten Konzeptes der Ansteckung. Innerhalb des humoralmedizinischen Paradigmas gelten Disbalancen des Temperaments und der Körpersäfte als Verursacher von Krankheiten. Eine Reihe äußerer Faktoren kann dieses Gleichgewicht beeinflussen (sex res non naturales); in diesem Rahmen gibt es jedoch keine kanonisierte Vorstellung davon, dass ein Körper in der Lage ist, in einem anderen Körper Krankheiten hervorzurufen. Das Konzept der Ansteckung wird zudem durch einige umstrittene prophetische Überlieferungen (Hadith), die in der „Prophetischen Medizin“ eine Rolle spielen, geleugnet.

Das Projekt zielt darauf ab, das Spannungsfeld zwischen individuellen Beobachtungen des Phänomens der Ansteckung und dem Fehlen eines Ansteckungskonzepts in den Paradigmen, mit denen die Akteure verbunden sind, zu verstehen. Diese Spannung wird vor dem Hintergrund des religiösen, kulturellen und politischen Kontextes der Wissensakteure thematisiert. Das Forschungsprojekt bewegt sich zwischen Philologie und Medizinsoziologie und befasst sich mit den beiden Wissenskorpora TPM und PM in Bezug auf ihre Texttraditionen und ihren sozialen Kontext. Mit Rückgriff auf historische (philologische) und zeitgenössische (soziologische) Quellen versucht die Studie zu verstehen, wie individuelle Wissensakteure empirische Beobachtungen des Phänomens der Ansteckung mit dem Widerstand beider medizinischer Paradigmen (TPM und PM) gegen die vollständige Integration der Ansteckung in ihren konzeptuellen Rahmen in Einklang bringen.

Das Projekt führt die Forschungsinteressen zweier Gruppen innerhalb des Orient-Instituts Istanbul zusammen: „Mensch, Medizin und Gesellschaft“ und „Religionsgeschichte“.

Hair:y_less Masculinities: Eine Kartographie. Ein Vergleich zwischen der Islamischen Republik Iran und der Republik Türkei

ProjektleitungDr. Melike Şahinol

ProjektmitarbeiterBurak Taşdizen, MSc

Laufzeit: Januar 2020 – Januar 2022

Projektblog: https://hairyless.hypotheses.org/

“Hair:y_less Masculinities” ist Teil des Großprojekts Wissen entgrenzen der  Max Weber Stiftung und wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Die wachsende kulturelle Begeisterung für kosmetische Chirurgie und die medizin-technische Modifikation des Körpers hat längst die Männerwelt und damit auch medikalisierte Maskulinitäten erreicht. Zu den von Männern am häufigsten gewählten kosmetischen Verfahren gehören die Laserhaarentfernung in der Kategorie der kosmetisch minimal-invasiven Verfahren und die Haartransplantation in der Kategorie der kosmetisch-chirurgischen Verfahren. Als weltweit führende Destinationen für den Schönheitssektor sind insbesondere zwei Länder von Interesse: die Republik Türkei, die eher von westlichen Schönheitstourist*innen bevorzugt wird, und die Islamische Republik Iran, die eher bei Menschen aus dem Nahen Osten beliebt ist.

Mit besonderem Schwerpunkt auf der Somatechnik von männlicher Haarentfernung und -transplantation analysiert dieses Projekt die Disziplinierung von Männerhaaren durch eine Kartographie der Normen und Praktiken der männlichen Körperhaarentfernung und -transplantation in Iran und in der Türkei. Die vergleichende Perspektive zwischen diesen Ländern ist deshalb wichtig, um länderspezifische sozio-kulturelle Unterschiede in den Praktiken und die jeweils spezifischen Einflüsse herauszuarbeiten. Dadurch sollen auch differierende Empowerment-Strategien herausgearbeitet werden, die sich trotz teilweiser kultureller Nähe und ähnlicher Alltagspraktiken beider Länder im Bereich der Schönheit, Körperpflege und (medikalisierter) Maskulinitäten entwickelt haben.

Wohltätigkeit im Wandel: Von post-revolutionärer Gouvernementalität der Islamischen Republik Iran zur zivilgesellschaftlichen Selbstermächtigung?

Projektleitung: Dr. Katja Rieck

Projektdauer: 1. Juli 2019 – 30. Juni 2020

Wohltätigkeit ist ein zentrales Element der Glaubenspraxis für alle praktizierenden Muslime, die nicht nur in Form der obligatorischen Zahlung von Zakat und im Fall der schiitischen Gemeinschaften auch von Khoms erfolgt, sondern auch in Form von Sadaqa, der freiwilligen Gabe zum Wohle anderer. Egal in welcher Form Wohltätigkeit ausgeübt wird, handeln Akteure die Formen der religiösen Tradition der Wohltätigkeit als lebendige kulturelle und religiöse Praxis stets neu aus und geben ihr unterschiedliche Bedeutungen. Daher unterscheiden sich vergangene Institutionen und Praktiken, die bisher von Expertinnen für osmanische Praktiken der Wohltätigkeit wie Amy Singer und anderen HistorikerInnen erforscht wurden, in vielerlei Hinsicht von Formen der Wohltätigkeit, wie sie von zeitgenössischen muslimischen Organisationen wie Muslim Relief oder Muslim Aid praktiziert werden. Die hier eingenommene Forschungsperspektive ist von diesem breiteren wissenschaftlichen Kontext geprägt. Bislang wurden zeitgenössische Praktiken der Wohltätigkeit als Performanz neuer Identitäten und (geschlechtsspezifischer) Formen der citizenship sowie der Schaffung neuer lokaler und transnationaler Handlungsnetzwerke – oft mit Unterstützung neuer Medien – untersucht, welche neue Räume der sozialen Ermächtigung ermöglichen. Der Schwerpunkt im Rahmen dieser Forschung liegt auf Veränderungen von Wohltätigkeitspraktiken in der Islamischen Republik Iran. Es soll untersucht werden, wie die Transformationen von Praktiken der Wohltätigkeit in globale und transregionale Entwicklungen eingebettet sowie mit soziokulturellen Veränderungen innerhalb der iranischen Gesellschaft verbunden sind. In Anbetracht der Tatsache, dass die Entwicklungen im Iran zuweilen jene in anderen Teilen des Nahen Ostens vorweggenommen haben, möchte die Studie ebenfalls Tendenzen identifizieren, die für andere Teile der Region relevant sind. 

In Zusammenarbeit mit iranischen KollegInnen werden einige dieser Aktivitäten kartiert und ethnographische Fallstudien durchgeführt, um sich wandelnde Wohltätigkeitspraktiken zu dokumentieren und kontextualisieren. Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund: Was sind die prägenden Einflüsse auf die Transformation von zivilgesellschaftlicher Wohltätigkeit? Welche Rolle spielen dabei Neuinterpretationen religiöser Traditionen oder transnationale Diskurse und Praktiken zu guter Regierung (wie z.B. zu Effektivität und Transparenz)? Was für Auswirkungen haben sich verändernden Geschlechterrollen und Identitäten im Iran auf Wohltätigkeitspraktiken? Welche Rolle spielen lokale und transnationale Medien bei der Herausbildung solcher neuen Praktiken? Die kreative Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, insbesondere des Messaging-Dienstes Telegram, war bis jetzt entscheidend für die Entwicklung innovativer Wohltätigkeitspraktiken. Gibt es Wechselwirkungen zwischen neuen zivilgesellschaftlichen Praktiken der Wohltätigkeit und staatlichen Institutionen? Wird dabei lediglich der Status quo gestützt, oder werden Impulse für Veränderungen gegeben, indem zivilgesellschaftliche Initiativen als positive Beispiele für gute Regierungspraxis dienen, neue Identitäten und Subjektpositionen ermöglichen und Interventionsfelder für neue soziale Akteure eröffnen? Sind weitere Effekte sowohl bei den Anbietern als auch bei den Empfängern wohltätiger Dienste zu beobachten, wie z.B. die Bildung neuer sozialer Netzwerke (entweder innerhalb des Irans oder in der transnationalen Arena), das Entstehen neuer sozialer Antagonismen oder sogar neuer Identitäten? Sind wohltätige Aktivitäten Wege zur Selbstermächtigung, oder reproduzieren sie lediglich bestehende Hierarchien entlang von Klassen- oder Religionszugehörigkeit oder entlang ethno-linguistischer Linien, um damit bestehende sozioökonomische Strukturen zu stabilisieren oder sogar neue zu schaffen? Diesen Fragen soll in Zusammenarbeit mit iranischen KollegInnen durch umfassende Feldforschung nachgeganen werden.

Artikel

Şahinol, M. & Taşdizen, B. (2021). Medicalized Masculinities in Turkey and Iran: The Eigensinn of Hair in Hair Transplant Procedure. Zur Publikation eingereicht.

Şahinol, M. & Taşdizen, B. (2021). İnsan Sonrası Erkeklik: Saç Ekimi Örneği. Zur Publikation eingereicht.

Nematollahy, K. (2021). Iranian Music and the Construction of Collective Identity: the 1970s and early-revolutionary Iran.  Zur Publikation eingereicht.

Nematollahy, K. (2021). Virtual Space, Real Changes: A Study on the Impact of Social Media on Iranian Classical Music. In Vorbereitung.

Blogbeiträge

Rieck, K. (2020). Mundane and Basic, But Existential – On the Everyday Challenges of Building International Scholarly Collaborative Networks, Orient-Institut Istanbul Blog, 20. November 2020.

Khan, H. A. & Iqbal, A. Research on the Rifa’iyya, a Sufi Order in South-Western Asia. Wissen Entgrenzen Blog der Max Weber Stiftung, 28. August 2020.

Rieck, K., Şahinol, M. & Taşdizen, B. (2020). „Iterations of the COVID-19 Pandemic: Themes and Problem Spaces in Turkey, Iran and Germany“, Blog of the Orient-Institut Istanbul, 31. Juli 2020.

Rieck, K. (2020). „Building Sustainable Scholarly Collaboration With Iran (and Beyond): Of COVID-19 and other challenges“, Orient-Institut Istanbul Blog, 3 July 2020.

Podcast

Nematollahy, K. (2021). Podcast: The Young Generation of Iranian Composers in Digital Era. In preparation.

Vorschau:

17.-20.6.2021: The Materiality of Everyday Religiosity: Historical and Contemporary Dynamics in Turkey and in Iran, Orient-Institut Istanbul, online.

27.-28.5.2021: Medicalized Masculinities Workshop (in Zusammenarbeit mit Medicine Man, Southern University of Denmark), Orient-Institut Istanbul.

Vergangene Veranstaltungen:

20.10.2020: Medicalized Masculinities: Knowledge Exchange from Denmark to Turkey (in Zusammenarbeit mit Medicine Man, Southern University of Denmark), Orient-Institut Istanbul, online (Workshopbericht: https://hairyless.hypotheses.org/335).

25.6.2020: Iterations of the COVID-19 Pandemic: Themes and Problem Spaces in Turkey, Iran and Germany, Orient-Institut Istanbul, online (Workshopbericht: https://www.oiist.org/tr/iterations-of-the-covid-19-pandemic-themes-and-problem-spaces-in-turkey-iran-and-germany/).

21.1.2020: Technology and the Body: Care, Empowerment and the Fluidity of Bodies, Orient-Institut Istanbul (Workshopbericht: https://wissen.hypotheses.org/2051).

20.5.2019 IRSSC Kick-off Workshop (Workshopbericht: https://wissen.hypotheses.org/1355).

Nematollahy, K. (2020): Iranian Classical Music Since the 1970s: The Discourses of Tradition and Identity. Orient-Institut Istanbul, 23. September 2020, Online-Vortrag.

Şahinol, M. & Taşdizen, B. (2020): Everyday Cyborgs: Men with Implanted/Transplanted Hair and its Eigensinn“. EASST + 4S Joint Conference: Locating and Timing Matters: Significance and Agency of STS in Emerging Worlds, 18.-21. August 2020, online.

Irannejad, S. (2020): Absence of a Concept? Contagion, Medicine and Pilgrimage. Istanbuler Religionsforscher*innentreffen; Thema: Religion und Epidemien, 21. Mai 2020, Orient-Institut Istanbul, online.

Khan, H. A. & Iqbal, A. (2020): The Rifa’iyya in South-Western AsiaOrient-Institut Istanbul, Forschungskolloquium, 13. Mai 2020, online.

Şahinol, M. & Taşdizen, B. (2020): Cartography of Hair:y_less Masculinities: An Introduction“. Orient-Institut Istanbul, Forschungskolloquium, 1. April 2020, online.

Taşdizen, B. (2020): Posthuman Feminist Theory: Body Modification and Empowerment“. Technology and the Body: Care, Empowerment and the Fluidity of Bodies, 21. Januar 2020, Istanbul.

Langer, R. (2019): “Researching Twelver Shiism in Germany and Turkey: Approaches to the Empirical Study of Religiosity – Philological, Anthropological, and Study of Religions’ Methodologies”. Qom, Iran: University of Religions and Denominations. 19.11.2019.

Langer, R. (2019): “Empirical Study of Religions: Approaches to Researching the Materiality of Everyday Religiosity in Different Context (Germany, Turkey, Iran)”. Workshop: A Dialog on German and Iranian Perspectives. Mashhad: Ferdowsi University Mashhad, Dāneškade‑e Adabiyāt va ʿOlūm-e Ensānī Doktor ʿAlī Šarīʿatī. 11.11.2019.

Rieck, K. (2019): Redoing Charity in Media Res: The Challenges of Crafting a Proposal for Funding for a Study of Civil Society Charity Organizations in Contemporary Iran. Orient-Institut Istanbul, Forschungskolloquium, 16. Oktober 2019.