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Musik im Osmanischen Reich und in der Türkei

Musik im Osmanischen Reich und in der Türkei 2017-09-18T13:48:24+00:00

 

Musik im Osmanischen Reich und in der Türkei

Verantwortlich: Dr. habil. Martin Greve

Laufzeit: Seit 2011

Der musikwissenschaftliche Schwerpunkt am Orient-Institut Istanbul deckt zwei Teildisziplinen der Musikwissenschaft ab: Historische Musikwissenschaft und Musikethnologie. Die Teilprojekte differieren methodologisch wie inhaltlich deutlich voneinander und beschäftigen sich mit unterschiedlichen Aspekten der Musik des Osmanischen Reiches und der Republik Türkei. Neben musikhistorischer Arbeit mit Notationen und Manuskripten insbesondere des 19. Jahrhunderts steht die Analyse historischer wie rezenter Tondokumente im Fokus der Arbeit. Hinzu kommen Feldforschungsprojekte zu neueren musikalischen Entwicklungen in Istanbul und in Anatolien.

Corpus Musicae Ottomanicae

Verantwortlich: Prof. Dr. Ralf Martin Jäger, Dr. habil. Martin Greve & Prof. Dr. Raoul Motika

Mitarbeiterin: Doç. Dr. Elif Damla Yavuz

Laufzeit: 2015 – 2027

Hauptkooperationspartner: Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Musikwissenschaft

Unterstützt von: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Ab dem Beginn des 2. Dezenniums des 19. Jahrhunderts wurde im Osmanischen Reich, zunächst in Istanbul, das Repertoire der höfischen und urbanen Kunstmusik in einer zunehmenden Anzahl von Manuskripten aufgezeichnet. Hierzu wurde vorrangig ein von dem Armenier Hamparsum Limonciyan (1768 – 1839) vor 1813 entwickeltes Notationsverfahren verwendet, das sich als Aufzeichnungsmedium für das Kunstmusikrepertoire exzellent eignet. Daneben fand ab der Mitte der 1830er Jahre auch die westliche Notation zunehmend Verwendung. Der Manuskriptbestand in beiden Notationsformen ist von nicht zu überschätzender Bedeutung für die Überlieferung einer Kunstmusikkultur, die bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein in den Metropolen der heutigen Türkei ebenso gepflegt wurde wie in den urbanen Zentren Syriens und Ägyptens. Für die Musikforschung, die durch den Quellenbestand erstmalig historische Phänomene und Prozesse in den Musikkulturen erschließen kann, wie auch für die Orientalistik sind die Quellen von erstrangiger Bedeutung. Das Ziel des Langfristvorhabens ist es, in einer ersten, siebenjährigen Projektphase kritische Editionen der zentralen Handschriften in Hamparsum-Notation aus dem 19. Jahrhundert anzufertigen. Die zweite, fünfjährige Projektphase widmet sich vornehmlich der kritischen Edition ausgewählter, in westlicher Notation geschriebener Manuskripte aus diesem Zeitraum. Die Edition der Liedtexte erfolgt parallel im interdisziplinären Verbund. Die Edition des Corpus Musicae Ottomanicae (CMO) – Kritische Editionen vorderorientalischer Musikhandschriften erfolgt als Open-Access-Datenbank und wird von der Redaktion perspectivia.net online veröffentlicht. Daneben werden die Editionen der Einzelhandschriften als Book-on-Demand-Ausgaben erhältlich sein. Das Gesamtvorhaben wird durchgeführt am Institut für Musikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in Kooperation mit dem Orient-Institut Istanbul und perspectivia.net sowie dem Institut für Arabistik und Islamwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Ein internationaler wissenschaftlicher Beirat begleitet das Projekt.

Editing Post-Byzantine Notations

Verantwortlich: Dr. Kyriakos Kalaitzidis, Dr. habil. Martin Greve

Laufzeit: Ab Oktober 2016

Unterstützt von: Alexander Onassis Foundation

In zahlreichen Handschriften zu byzantinischer Kirchenmusik sowie einigen speziellen Notensammlungen finden sich verstreut auch Notationen mit nicht-religiöser Musik, Volksmusik, Kunstlieder der Phanarioten aber auch osmanische Kunstmusik.

In einer ersten Pilotphase sollen Transkriptions- und Editionsverfahren dieser noch weitgehend unbekannten Quellen entwickelt und erprobt werden.

Für die Publikation dieser Notate ist eine Kooperation mit dem Projekt Corpus Musicae Ottomanicae (CMO) geplant. Ein Band zu dieser Thematik wurde in der Institutsreihe „Istanbuler Texte und Studien“ bereits publiziert: Kyriakos Kalaitzidis, Post-Byzantine Music Manuscripts as a Source for Oriental Secular Music (15th to Early 19th Century). (Istanbuler Texte und Studien 28) Würzburg: Ergon Verlag 2012.

In einem Konzert zur Einweihung des neuen Institutsgebäudes spielten Kyriakso Kalaitzidis (ud), Şevhar Beşiroğlu (kanun), Yelda Özgen (Cello) und Neva Özgen (kemençe) in post-byzantinischen Notationen wiederentdeckte Werke: ein tasnîf des aserbaidschanischen Musiktheoretikers und Komponisten Abdülkadir Marâghî (1353 – 1453), ein Instrumentalstück von Hânende Zacharias (18. Jh) und zwei Lieder des Istanbuler Komponisten Petros Peloponnesios (1740 – 1778). Die Aufnahme findet sich unter:

http://vimeo.com/66142818

Post-Traditional Music in Turkey

Verantwortlich: Dr. habil. Martin Greve

Laufzeit: 2011 – 2016

Gegenstand dieses Forschungsprojektes sind rezente Veränderungen traditioneller Musik in der Türkei. Vier Tendenzen werden dabei untersucht:

– die Tendenz zu Historisierung und historischen Rekonstruktion von Traditionen;

– die Tendenz zu Internationalisierung traditioneller Musik der Türkei, sowohl der Musiker als auch des Publikums ;

– die ständige Suche nach neuen hybriden Kombinationen von Ensembles, Repertoires; und musikalischen Arrangements

– das Bemühen um Standardisierung angesichts der wachsenden musikalischen Vielfalt.

Musik in Dersim

Verantwortlich: Dr. habil. Martin Greve

Laufzeit: Seit 2012

Dieses Projekt befasst sich mit der Musik der ostanatolischen Region Dersim – der heutigen Provinz Tunceli und ihrer Umgebung. Das Projekt ist in zwei Phasen untergliedert: Die erste Forschungsphase beschäftigt sich mit Musik im Kontext der Sozialgeschichte der Region und ihrer Diaspora in der Türkei und Europa während der letzten vierzig Jahre. Neben ethnographischer Feldforschung werden in dieser Phase auch Interviews mit Musikern der Region durchgeführt. Darüber hinaus werden auch historische Aufnahmen erschlossen und ausgewertet, die in einer zweiten Untersuchungsphase analysiert werden sollen.

Wendelmoet Hamelink, Ulas Özdemir, Martin Greve (Hrsg.). Diversity and Contact among Singer-Poet Traditions in Eastern Anatolia. (Istanbuler Studien und Texte 40) Würzburg: Ergon Verlag (in Vorbereitung).

Martin Greve. Makamsız – Individualization of Traditional Music on the Eve of Kemalist Turkey. Würzburg 2017 (im Druck).

Yıldız, Burcu. Armenian Music in Turkey. (Istanbuler Texte und Studien 35). Würzburg: Ergon Verlag 2016.

Greve, Martin (Hrsg.). Writing the History of “Ottoman Music”. (Istanbuler Texte und Studien 33). Würzburg: Ergon Verlag 2015.

—-. „Traditionelle Musik in der zeitgenössischen westlichen Musik der Türkei“. Jin-Ah Kim, Nepomuk Riva (Hrsg.). Entgrenzte Welt? Musik und Kulturtransfers. Berlin: Ries & Erler 2014. 311-337

—-. „CD Booklet“. Marc Sinan. Hasretim – Eine anatolische Reise. München: ECM 2013.

Kyriakos Kalatzidis (Hrsg.). Post-Byzantine Music Manuscripts as a Source for Oriental Music (15th to early 19th Century). (Istanbuler Texte und Studien 28). Würzburg: Ergon Verlag 2012.

Internationale Konferenz: Integrative Approaches to Contemporary Cross-Cultural Music Making: Turkey, Italy, Germany

Verantwortlich: Dr. habil. Martin Greve

Veranstaltungsdatum: 8.–19. März 2016

Veranstaltungsort: Rom

Hauptkooperationspartner: DHI Rom

Unterstützt von: Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bahçeşehir Universität, Ernst-von-Siemens Musikstiftung, Max Weber Stiftung

Thema der zweitägigen Veranstaltung waren die vielfältigen Versuche zahlreicher zeitgenössischer Komponisten, auch traditionelle Musik – welcher Tradition auch immer – in ihre Musik einzubeziehen. Bereits im Jin-Ah Kims (Universität Seoul, Südkorea) Eröffnungsvortrag wurde die derzeit gebräuchliche Terminologie in Frage gestellt, am Ende der Tagung bestand ein weitgehender Konsens, dass Begriffe wie Hybridität, Inter- oder Transkulturalität, Third Space etc. der Vielfalt an individuellen Lebenswelten und musikalischen Ansätzen nicht mehr gerecht werden. Tatsächlich präsentierten die zahlreichen anwesenden Komponisten aus Italien, Deutschland und der Türkei eine atemberaubende Diversität, wie sie sich auch in den beiden begleitenden Konzerten widerspiegelten. In einem Gesprächskonzert spielten zunächst drei Bağlama-Spieler zeitgenössische, teils avantgardistische, teils aber auch traditionell beeinflusste Musik auf ihren Instrumenten: Kemal Dinç (Köln/ Rotterdam), Erdem Şimşek (Istanbul) und Taner Akyol (Berlin). In einer öffentlichen Probe sprachen die Musiker des internationalen Istanbuler Hezarfen Ensembles über die Schwierigkeiten, sich gleichzeitig mit türkischen Makam-Melodien und mit den notationstechnischen und aufführungspraktischen Feinheiten neuer westlicher Musik zu beschäftigen. Viele Komponisten sind heute gleichermaßen auch Forscher, die in Feldern wie Raumakustik, Religionsgeschichte oder traditioneller Musik nach Erkenntnissen suchen, die sie dann in ihren Kompositionen verarbeiten. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildet das Abschlusskonzert des Hezarfen Ensembles mit mehreren Italien- und Welt-Premieren interkultureller Kompositionen.

Eduard Zuckmayer – Ein Musiker in der Türkei

Verantwortlich: Dr. habil. Martin Greve

Veranstaltungsdatum: 7. März 2016

Veranstaltungsort: Mimar Sinan Universität

Hauptkooperationspartner: Mimar Sinan Universität, Goethe Institut Istanbul

Vortragsreihe am Orient-Institut Istanbul: Music and Musicians in the Ottoman Empire and the Republic of Turkey

Verantwortlich: Dr. habil. Martin Greve

Veranstaltungsdatum: Oktober 2014 – Mai 2015

Die Vortragsreihe widmete sich MusikerInnen und Musikwelten des Osmanischen Reichs und der Türkischen Republik: Weltläufige Kosmopoliten wie der polnisch-stämmige Hofmusiker und Dolmetscher Ali Ufuki aus dem 17. Jahrhundert oder die Komponistin Nazife Aral-Güran aus dem 20. Jahrhundert; religiöse alevitische Musik und ihre Veränderungen im 20. Jahrhundert; die bunte Jazz-Welt im Beyoğlu der 1920er Jahre; die Verarbeitung unerträglicher Erinnerungen in armenischen Wiegenliedern oder die engen Verbindungen zwischen armenischer Kirchenmusik und osmanischer Kunstmusik im frühen 19. Jahrhundert. Vor allem in der Türkei, aber beispielsweise auch in Griechenland, wurde Musik auch als Symbol nationaler Identität verstanden und Volkslieder und Tänze, wie auch Märsche gewannen direkte politische Bedeutung. Auch Minderheiten drücken sich und ihre Identitäten oft durch Musik aus, etwa bei der Suche nach und der Rekonstruktion von Klageliedern über die Massaker von 1937 und 38 in Dersim (Tunceli). Zwischen den einfachen, schönen Liedern und Instrumentalstücken in den Dörfern Südwestanatoliens, den klassischen, türkischen Chören und beispielsweise der Rock-Szene Istanbuls bestehen praktisch keine Gemeinsamkeiten. Kaum ein Land der Erde hat ein derart reiches und widersprüchliches Musikleben wie die Türkei.

Internationale Konferenz: Transfer und Diversität. Musik und transkulturelle Praxis

Verantwortlich: Dr. habil. Martin Greve

Veranstaltungsdatum: 9. – 11.10. und 17 – 18.10.2014

Hauptkooperationspartner: Humbold-Universität Berlin, Istanbul Teknik Üniversitesi

Unterstützt von: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Im Rahmen des deutsch-türkischen Wissenschaftsjahres 2014 versuchte das Projekt „Transfer und Diversität. Musik und transkulturelle Praxis: Türkei – Deutschland“ im Oktober eine Bestandsaufnahme der deutsch-türkischen Musikbeziehungen. Beteiligt waren die Humbold-Universität Berlin, der Landesmusikrat Berlin, das Center for Advanced Studies in Music (MIAM) der Technischen Universität Istanbul, das Orient-Institut Istanbul sowie weitere Partner-Institutionen. Nach Podiumsdiskussionen, Konzerten und einer dreitägigen Konferenz in Berlin, fand ein zweitägiges Symposium am Istanbuler MIAM statt, federführend bei der inhaltlichen Gestaltung war das Orient-Institut Istanbul. Neben Musik- und Kulturwissenschaftlern nahmen zahlreiche deutsche und türkische Musiker, Komponisten und Kulturmanager an diesem Erfahrungsaustausch teil. Eigene Panels widmeten sich den Erfahrungen von politischen Flüchtlingen auf Musik und Musikleben, sowie dem Themenfeld Musik und Gender. Aktuelle Entwicklungen türkischer Musik in Deutschland wurden vorgestellt, so die Bemühungen um Einrichtung von Studiengängen Bağlama oder die Gründung einer „Bağlama-Plattform“ in Berlin.

Zum Abschluss wurden anlässlich seines 100. Geburtstages die musikwissenschaftlichen Forschungen von Kurt Reinhard und seiner Frau Ursula rückblickend bewertet. Jahrzehntelang prägten beide durch ihre Bücher und Artikel die Darstellung türkischer Musik in Europa.

Konferenz: Die Bağlama im Kontext von Pädagogik, Musikschule, Jugend musiziert und Konzertwesen

Verantwortlich: Dr. habil. Martin Greve

Veranstaltungsdatum: 7. – 9. September 2014

Hauptkooperationspartner: Landesmusikakademie Nordrhein-Westfalen

Unterstützt von: Ministerium Familie, Kinder, Jugend, Kultur, Sport NRW

Das Instrument Baglama (oder auch Saz) steht für die türkische Musikkultur in Deutschland und ist in der türkischen Community Inbegriff der musikalischen Identität geworden. Es wird auch in Nordrhein-Westfalen gespielt und häufig an kommunalen Musikschulen unterrichtet, spielt im Wettbewerb Jugend musiziert eine Rolle und beginnt im öffentlichen Musikleben sichtbar zu werden. Um diesen Prozess voranzutreiben, versammelte der Kongress Vorträge, Workshops und Podiumsdiskussionen, die zum Kennenlernen, Austausch und Wissenstransfer zwischen Bağlama-Experten, Vertretern von Hochschulen und Musikschulen sowie Konzertveranstaltern beitragen sollten. Thematisiert wurden Möglichkeiten und Wege des Zusammenspiels von europäischen Instrumenten mit der Bağlama, Methodik und Didaktik des Bağlama-Unterrichts, Präsentation von Lehrwerken sowie Ausbildungs- und Auftrittsmöglichkeiten für professionelle Bağlama-Spielerinnen und -Spieler.

Tagung: Rhythmic Cycles and Structures in the Art Music of the Middle East

Verantwortlich: Dr. habil. Martin Greve

Veranstaltungsdatum: 27. – 28.2.2014

Hauptkooperationspartner: Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Bei der Erforschung osmanischer Kunstmusik (und verwandter Musikstile) wurden rythmische Modi bis in die jüngste Gegenwart gegenüber den melodischen Modi makam stark vernachlässigt. Dabei sind vor allem die usul für die musikalische Form von Kompositionen entscheidend. Die Tagung war eine erste konkrete Kooperation zwischen der Universität Münster (insbesondere dem Musikwissenschaftlichen Institut) und dem Orient-Institut Istanbul, die im Jahr 2013 per Kooperationsvertrag offiziell vereinbart worden war. Neben Vorträgen von führenden Musikhistorikern wie Prof. em. Dr. Eckhardt Neubauer, Prof. em. Dr. Owen Wright, Emeritus der SOAS London, Prof. Walter Feldman und Prof. em. Dr. Yalçın Tura präsentierten zahlreiche jüngere MusikwissenschaftlerInnen wie Dr. Judith Haug (Münster), Dr. Jacob Olley (London), Mehmet Uğur Ekinci (Ankara) oder Dr. Nilgün Doğrusöz-Dişiaçık (Istanbul) aktuelle Forschungen zu historischen Rhythmus- und Formkonzepten. Ein abschließendes Panel war musikalischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts gewidmet: Rhythmen in fantezi, in der Musik der gazinos und in der anatolischen Volksmusik.

Symposium: Erstes Bağlama Symposium in Deutschland

Verantwortlich: Dr. habil. Martin Greve

Veranstaltungsdatum: 14. – 15.9.2013

Hauptkooperationspartner: Landesmusikrat Berlin

Am 14. und 15. September 2013 fand in Berlin das „Erste Bağlama-Symposium in Deutschland“ statt, gemeinsam organisiert vom Landesmusikrat Berlin, dem Orient-Institut Istanbul, dem Staatlichen Konservatorium für Türkische Musik der ITÜ Istanbul und der Universität der Künste Berlin. Zunächst wurden das Instrument, seine baulichen Varianten und seine regionale Verbreitung vorgestellt, anschließend seine Geschichte, Theorie und seine Notation. Gegenwärtig wird das Instrument an verschiedenen Musikschulen und Konservatorien der Türkei, aber auch in Europa unterrichtet. Beispielhaft wurde die Situation der Bağlama in Istanbul, Berlin, Wien und Gent diskutiert. Spätestens seit den 1990er Jahren haben eine Reihe von baulichen, spieltechnischen und kompositorischen Neuerungen das Instrument und seine Musik stark verändert und seine musikalischen Möglichkeiten drastisch erweitert.

Erstes Bağlama-Symposium in Deutschland:

http://vimeo.com/80550805

http://vimeo.com/80550804

http://vimeo.com/80550803

DVD Erstes Bağlama-Symposium in Deutschland. Berlin: Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin 2015

Aus den Vorträgen von MusikerInnen, und MusikwissenschaftlerInnen, Aufnahmen von Bağlama-Unterrichtssituationen in Berlin und Musikaufnahmen eines Konzertes mit Erol Parlak, Okan Murat Öztürk und anderen entwickelte die Dokumentarfilmerin Özay Şahin am Orient-Institut Istanbul einen zweistündigen Dokumentarfilm über die Bağlama und ihre Musik. Der Film ist nun als Doppel-DVD gemeinsam mit einer Dokumentation über Bağlama-Bau von Derya Takkali in der DVD-Reihe des Ethnologischen Museum Berlin erschienen.

Symposium: Hören Sie – Erfahrungsaustausch Deutsch-Türkischer Musiktherapie

Verantwortlich: Dr. habil. Martin Greve & Dr. Alexandre Toumarkine

Veranstaltungsdatum: 25. – 26.5.2012

Hauptkooperationspartner: Hochschule Magdeburg-Stendal

Bei einer internationalen Tagung im Mai 2012 wurden erstmals die praktischen Erfahrungen in der Türkei, Deutschland und Österreich ausgetauscht. Musiktherapie ist in der Türkei noch weitgehend Neuland. Die wenigen derzeit aktiven türkischen MusiktherapeutInnen kombinieren meist individuell die verschiedensten Methoden, haben dabei aber mittlerweile viel Erfahrung gesammelt. Dabei stoßen zwei unterschiedliche musiktherapeutische Ansätze aufeinander: Zum einen bestand bereits im islamischen Mittelalter eine Lehre des Heilens durch Musik. Im Osmanischen Reich wurde an mehreren Krankenhäusern bewusst osmanische Kunstmusik zur Therapie eingesetzt. Mitte des 19. Jahrhunderts brach diese Tradition jedoch ab und erst im Laufe der letzten zwanzig Jahre versuchten einzelne Musiker und Therapeuten, an diese Tradition wieder anzuknüpfen. Bekannt geworden, sowohl in der Türkei als auch in Europa, ist dabei insbesondere Rahmi Oruç Güvenç mit seiner „Altorientalischen Musiktherapie“.

Zum anderen arbeitet die Medizin der Türkei – einschließlich Psychiatrie und Psychotherapie – selbstverständlich mit internationalen (überwiegend westlichen) Methoden. Gerade Psychotherapie erlebt in der Türkei seit Jahren einen starken Aufschwung, immer mehr Therapieformen werden praktiziert, immer mehr internationale Fachliteratur ist in Übersetzungen zugänglich. Westliche Musik- und Tanztherapie jedoch wird erst seit wenigen Jahren und nur versuchsweise in der Türkei eingesetzt.

Ganz anders die Situation in Deutschland: Hier ist Musiktherapie (kaum jedoch Tanztherapie) mittlerweile gut etabliert, es existieren Studiengänge, ein Berufsverband, regelmäßige Tagungen und Fortbildungsmöglichkeiten. Inzwischen aber sehen sich überall in Europa PsychotherapeutInnen vor die völlig neuartige Aufgabe gestellt, mit PatientInnen mit Migrationshintergrund zu arbeiten.

Die gesamte Tagung mitsamt allen Workshops und Diskussionen wurde von der Dokumentarfilmerin Özay Şahin auf Video aufgenommen und durch zusätzliche Aufnahmen von Musiktherapie-Sitzungen in Istanbul ergänzt. Aus diesem Material erstellte das Orient-Institut gemeinsam mit Özay Şahin anschließend eine zweistündige filmische Dokumentation, die Anfang 2013 als DVD erschien.

DVD Erfahrungsaustausch Deutsch-Türkischer Musiktherapie / Türk Alman Müzik Terapi Tecrübelerinin Paylaşımı. Özay Şahin. Istanbul 2013.

Internationale Konferenz: Writing the History of ‘Ottoman Music’

Verantwortlich: Dr. habil. Martin Greve

Veranstaltungsdatum: 25. – 26.11.2011

Hauptkooperationspartner: Technische Universität Istanbul

Während dieser internationalen und interdisziplinären Konferenz wurden Ansätze und Problemen osmanischer Musikgeschichtsschreibung diskutiert. Im Zentrum stand die Frage, inwieweit angesichts der Quellenlage aus einzelnen schriftlichen Notensammlungen und theoretischen Traktaten, sowie überwiegend mündlich überlieferter Musik eine kohärente Geschichte osmanische Musikgeschichte möglich ist – und falls ja, in welcher Form. Erster Schritt hierzu wäre eine Periodisierung der Musik auf musikwissenschaftlicher Basis. Ein weiterer Themenkomplex war anatolische Volksmusik: Inwieweit ist es hier möglich, sich von politischen geschichtsphilosophischen Ideologien zu lösen und zu einer wissenschaftlichen historischen Forschung zu gelangen? Schließlich wurde die Frage nach der praktischen Rekonstruktion historischer osmanischer Musik erörtert.

Martin Greve (Ed.), Writing the History of “Ottoman Music”. (Istanbuler Studien und Texte 33) Würzburg: Ergon Verlag 2015.

Music recodings of Armenian Prisoner of War in Germany

Verantwortlich: Dr. Melissa Bilal (Columbia University, New York)

Laufzeit: 2015 – 2016

Hauptkooperationspartner: Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin, Abt. Musikethnologie

Unterstützt von: OII (Postdoc-Stipendium)

Aufnahmen armenischer Kriegsgefangener, die während des Ersten Weltkriegs in verschiedenen Gefangenenlagern in Deutschland gemacht wurden, sollen wissenschaftliche erschlossen und analysiert werden. Geplant ist eine Veröffentlichung durch das Ethnologische Museum Berlin als CD mit umfangreichem Begleitheft.

Mitrip und Gemeinschaftstänze in der Region Urfa: Ein Portrait der Musik, der MusikerInnen und Tänze in ihrem sich wandelndem sozialen Kontext

Verantwortlich: Sara Islán Fernández (Universidad Complutense de Madrid)

Unterstützt von: OII (Promotionsstipendium, 1.7.2015 – 31.12.2015)

Die Gemeinschaftstänze der Region Şanlıurfa und ihre Musik sind ein lebendiges Beispiel für ein reiches und vielfältiges populäres Repertoire. Ziel des Forschungsprojektes ist weniger das statische Portrait eines musikalischen Korpus, als vielmehr die Beschreibung eines weiterhin andauernden Transformationsprozesses, in dem Musik und Tänze eingebunden sind, sowie der Faktoren, die diesen Prozess bestimmen. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis der MitgliederInnen verschiedener communities – nicht zuletzt der mıtrıps (also der MusikerInnen) selbst – zu diesem Repertoire, sowie die Transformationen dieses Verhältnisses. Es soll gezeigt werden, dass die Verbindung von Musik und Leben in dieser Gesellschaft noch immer so eng ist, dass bedeutende Veränderungen des menschlichen Lebensraumes und des sozialen Rahmens einen unmittelbaren und starken Einfluss auch auf Tanz, Musik und ihre Interpreten/-innen haben.

Die Formierung nationaler Musik auf beiden Seiten der Ägäis im 19. und 20. Jahrhundert

Verantwortlich: Ersin Mihci (Universität Heidelberg)

Unterstützt von: OII (Promotionsstipendium; 15.5.2014 – 15.8.2014)

Seit der Etablierung eines unabhängigen griechischen Staates 1830 und der Türkei 1923 widmeten sich beide Staaten einem Projekt der Konstruktion individueller nationaler Identität. Bei diesem Versuch, neue nationale Identitäten zu formieren, spielte Musik eine wichtige Rolle.  Beide Länder bemühten sich, eine neue nationale Musik zu entwerfen, indem sie Modi, Rhythmen und Aufführungsformen traditioneller Musik mit dem Kompositionsstil und der Instrumentation westlicher Musik kombinierten, die damals zum Symbol für Fortschritt und Modernität geworden war. Dieses Dissertationsprojekt konzentriert sich auf exemplarische Werke, die kurz nach der Gründung eines unabhängigen Staates komponiert worden waren. Innerhalb eines musikwissenschaftlichen Rahmens sollen auch zeitgenössische Konzepte von Kultur und Ästhetik im globalen Kontext berücksichtigt werden. Die Arbeit verfolgt einen komparatistischen Ansatz und sucht nach hilfreichen Kriterien für die Erklärung von nationaler Musik und der Nationalisierung von Musik in Griechenland und der Türkei.

Women Composers’ Creative Conditions Before and During the Turkish Republic 

Verantwortlich: Melike Atalay (Universität für Musik und Darstellende Künste Wien)

Unterstützt von: OII (Promotionsstipendium, 15.3.2014 – 15.6.2014)

Gegenstand dieser Dissertation sind drei türkische Komponistinnen, die repräsentativ sind für viele andere gleicher musikalischer Richtung, jedoch in drei unterschiedlichen historischen Perioden der türkischen Geschichte stehen: Leyla Saz (1845–1936) war osmanische Komponistin, ausgebildet bis 1861 im Harem, danach ihr gesamtes Leben hindurch künstlerisch tätig. Nazife Aral-Güran (1921–1993), geboren kurz vor Gründung der Türkischen Republik, war eine Vertreterin der neuen, republikanischen Frau, in der sich das kemalistische Frauenbild widerspiegelte. Yüksel Koptagel (geboren 1931) gehörte zur zweiten Generation zeitgenössischer türkischer Komponistinnen nach Gründung der Türkischen Republik. Sie lebte und arbeitete jedoch überwiegend außerhalb der Türkei. Ziel der Dissertation ist es zu untersuchen, wie diese ausgebildeten Komponistinnen in differierenden nationalgeschichtlichen Konstellationen ihre musikalische Identität entwickeln konnten.

Dörfer in Sasun heute

Verantwortlich: Dr. Wendelmoet Hamelink

Laufzeit: 2013 (abgeschlossen)

Unterstützt von: Gerald D. Feldman-Reisebeihilfen der Max Weber Stiftung für das Orient-Institut Istanbul, das Orient-Institut Beirut und das Deutsche Historische Institut Paris

Aufbauend auf vorangegangenen Arbeiten über dengbêj befasste sich dieses Forschungsprojekt mit den Schicksalen von Armeniern aus Sasun (Südost-Türkei). Vor 1915 war diese Region von einer Mischung aus kurdischen und armenischen Dörfern geprägt. Nach den Massenmorden und Vertreibungen von 1915 leben heute nur noch wenige Armenier dort, in vielen Fällen haben sie die Kultur und Sprache ihrer kurdischen Umgebung übernommen, viele migrierten ins Ausland. Was geschah mit den Armeniern aus Sasun und ihrer Kultur? Wie erleben sie ihre armenische Identität und wie drücken sie sie in Musik und Liedern aus? Wie beziehen sie sich auf ihre armenische Vergangenheit und auf andere Identitäten? Die transnationale Fragestellung dieser Studie wirft ein Licht auf die verschiedenen Erfahrungen von Menschen, die alle aus der gleichen Region stammen. Welche Geschichten hörten sie von ihren Eltern und Großeltern über das Leben in Sasun? All diese Themen werden anhand von Musik und Liedern untersucht, in Verbindung mit der Entwicklung von Identitäten in Lebenssituationen von Konflikt und Exil.

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