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Intellektuelle Transferprozesse

Intellektuelle Transferprozesse 2018-11-14T16:17:27+00:00

 

Der Turkologe Ahmet Caferoğlu (1899–1975) mit seinen Student/-innen an der Istanbul Universität, ca. 1930 (Sammlung Nazan Ölçer).

Intellektuelle Transferprozesse

Verantwortlich: Dr. Zaur Gasimov

Laufzeit: Seit 2013

Dieser Forschungsschwerpunkt untersucht im Kontext der Verflechtungsgeschichte West- und Osteuropas auf der einen und dem Osmanischen Reich bzw. der Republik Türkei auf der anderen Seite die intellektuellen Transferprozesse seit dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Russland trifft Europa am Bosporus. Europäisch-russisch-türkische intellektuelle Verflechtungen im 20. Jahrhundert

Verantwortlich: Dr. Zaur Gasimov

Laufzeit: Seit 2013

Das Projekt verfolgt das Anliegen, die intellektuelle Verflechtungsgeschichte der Europäer, Russen und Türken, d.h. die bis jetzt in der internationalen Forschung je nach Fachdisziplin und nationalem bzw. sprachlichem Kontext überwiegend separat behandelten Themenbereiche (die russische bzw. russländische, europäische und türkische Ideengeschichte) als histoire croisée im Raum Istanbul im 20. Jahrhundert zu untersuchen. Das Projekt rückt dabei als Beispiel das publizistische und wissenschaftliche Wirken der Exilintellektuellen und Exilwissenschaftler Ali Bey Hüseyinzade (1864–1941), Cafer Seydahmet Kırımer (1889–1960) und Ahmet Caferoğlu (1899–1970) sowie ihre Interaktion mit europäischen, russischen und türkischen Intellektuellen in den Fokus. Neben den Ansätzen der Verflechtungsgeschichte histoire croiseé werden in diesem Projekt sowohl die Methodologie der transferts culturels von Michel Espangne als auch der Ansatz Pierre Bourdieus über die circulation internationale des idées angewandt.

Zwischen Persien, dem Osmanischen Reich und Russland: Die Geschichte Aserbaidschans

Verantwortlich: Dr. Zaur Gasimov

Laufzeit: Seit 2013

Die Neuauflage des „Historical Dictionary of Azerbaijan“ widmet sich der enzyklopädischen Darstellung der Geschichte, Politik und Gesellschaft Aserbaidschans in einer transkulturellen Perspektive. Im Fokus stehen dabei um Schlüsselbegriffe und Lemmata der historischen Landschaft im östlichen Kaukasus, an der Schnittstelle der russischen, später sowjetischen sowie nahöstlichen Verflechtungsgeschichte. Schwerpunktmäßig beschäftigt sich Z. Gasimov dabei mit der Erforschung der aserbaidschanischen Ideengeschichte. Der Band soll 2017 eingereicht werden.

Inscribing Humanism through Translation: On the Debates Surrounding Translation from Classical Languages and the Translation Bureau during the 1930s and 1940s

Verantwortlich: Till Luge, M.A.

Laufzeit: Seit 2015

Die Idee des Humanismus wurde in der Türkei ab Mitte der 1930er Jahre nicht als Teil westlicher Kultur, sondern einer universellen und somit potentiell auch der türkischen Kultur intensiv debattiert. Unter den Schlüsselfiguren dieser Debatte waren Studenten der emigrierten deutschsprachigen Professoren, speziell aus der Literaturwissenschaft und den klassisch-humanistischen Fächern. Diese Vordenker eines reformistischen Humanismus bezogen sich auf diese universellen humanistischen Ideale und waren durch ihr Studium mit der Praxis der Übersetzung eng vertraut. Beide Ansätze verbanden sie in der Vision einer reformatorischen Kraft der Übersetzung. Das Forschungsprojekt untersucht die Debatten um die Idee einer humanistischen Revolution durch die Übersetzung klassischer Werke, die vor allem in Literatur-, Übersetzungs-, und Rezensionszeitschriften geführt wurde. Aufgrund der Rolle deutschsprachiger Emigranten als Lehrkräfte dieser jungen Generation türkischer Intellektueller werden die türkischen Diskussionen um einen revolutionären Humanismus auch im Kontext europäischer und speziell deutscher Diskurse zu Humanismus, Neuhumanismus und zum ‚Dritten Humanismus‘ analysiert.

Von Wissensübertragung zu neuen wissenschaftlichen Perspektiven: Die Transformation orientalistischer und philologischer Forschung an der Ankaraer Fakultät für Sprachen, Geschichte und Geographie zwischen den Jahren 1935 und 1948

Verantwortlich: Till Luge, M.A.

Laufzeit: 2013-2015

Die wissenschaftlichen Arbeiten zu deutschen Exilwissenschaftlern in der Türkei beschäftigen sich großenteils mit dem Beitrag der Exilanten zur türkischen Wissenschaft sowie ihrer persönlichen und familiären Notlage. Dieses Forschungsprojekt hingegen richtet den Blick auf die Beiträge dieser Forscher zu ihren jeweiligen wissenschaftlichen Disziplinen. Hierbei soll eruiert werden, wie sich die Perspektiven der Exilanten während ihres Aufenthalts in der Türkei verändert haben. Anhand des Beispiels der Fakultät für Sprachen, Geschichte und Geographie in Ankara wird dargestellt, in wieweit die neuartige interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Exilanten aber auch mit türkischen Kollegen, die Armut an Quellen und Forschungsmöglichkeiten in bisher bearbeiteten Feldern, die Diskriminierung und Verfolgung in Deutschland und der Status als Flüchtling in der Türkei, sowie die persönliche und akademische Nähe zu humanistischen und sozialistischen türkischen Akademikern die Arbeit der deutschen Exilanten geprägt hat. Die These dieses Projektes ist, dass vielfältige Marginalisierungen das Interesse an der Behandlung von Themen am Rande oder jenseits der eigenen Disziplinen erhöhte und so zu neuen Perspektiven innerhalb der orientalistischen und philologischen Fächer führte.

Zaur Gasimov. „Wissen und Macht. Orientalistik, Türkei- und Nahostexperten in Russland“. Osteuropa. 66, 11-12/2016. 57-74.

—-. „Modernisierer und Mittler im polnisch-türkischen intellektuellen Nexus“. Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung. 65, 2016. 241–265.

—-.  „Science Transfer to Turkey“. European Journal of Turkish Studies. 22, 2016 (http://ejts.revues.org/5340).

—-. „Rezension von: Mark Bassin / Catriona Kelly (Hg.), Soviet and Post-Soviet Identities, Cambridge, MA / London: Cambridge University Press, 2012“, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas / jgo.e-reviews, jgo.e-reviews 2015 (erschienen 2016), 4, S. 42-43 (http://recensio.net/r/0bb57ecba18a47719f82936801af2875)

—-. „Aserbaidschan: Exportware Führerkult. Der Personenkult um Heydar Aliyev“. Osteuropa. 7–10, 2015. 599–612.

—-. „Becoming Azerbaijani Through Language: On the Impact of Cəlil Məmmədquluzadə’s Anamın Kitabı“. Daniela Kuzmanovic, Elisabeth Özdalga (Hrsg.). Novel and Nation in the Muslim World. Literary Contributions and National Identities. New York: Palgrave Macmillan 2015. 48–64.

—-. Lemke Duque, Carl Antonius. „Introduction. Outlines of a Logical Constitutive Model of Cultural Transfer“. Transfer and Translation: Comparativ – Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung. 2, 2015. 7–15.

—-. Aksakal, Hasan. „Not Quite In, But Via Europe. Reading Lenin in Turkey“. Transfer and Translation: Comparativ – Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung. 2, 2015. 45–58.

—-. Rezension von Mangold-Will, Sabine. Begrenzte Freundschaft. Deutschland und die Türkei 1918–1933. Göttingen: Wallstein 2013. Comparativ – Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung. 1, 2015. 113.

—-. Lemke Duque, Carl Antonius (Hrsg.). Transfer and Translation: Comparativ – Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung. 2, 2015.

—-. Bachmann, Wiebke. „Transnational Life in Multicultural Space: Azerbaijani and Tatar Discourses in Interwar Europe“. Bekim Agai, Umar Ryad, Mehdi Sajid (Hrsg.). Muslims in Interwar Europe. A Transcultural Historical Perspective. Leiden: Brill 2015. 205–224.

—-. „Európa, a Turán és a Kelet között. Térkoncepciók a modern azerbajdzsáni történetírásban és politikában“. Világtörténet. A Magyar Tudományos Akadémia Bölcsészettudományi Kutatóközpont Történettudományi Intézetének folyóirata. 2014. 409–433.

—-. „History-Writing and History-Making in Azerbaijan. Some Reflections on the Past Two Decades of Independence“. Birgit Schlyter (Hrsg.). Historiography and Nation-Building Among Turkic Populations. Bd. 5. Istanbul: Swedish Research Institute in Istanbul 2014. 69–89.

—-. „Nahe Verwandte, so fern. Die Türkei, die Tataren und die Krim“. Osteuropa. 64, 2014. 311–322.

—-. „Not All Quiet on the Ottoman Fronts, Neglected Perspectives on a Global War, 1914–1918“. Tagungsbericht. H-Soz-u-Kult.06.06.2014 (http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=5410).

—-. „Rechtsideologie und Nationalismus als Beobachtung und Transfer. Der Fall Roman Dmowskis im Polen der Jahrhundertwende“. Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft. 26, 2014. 71–85.

—-. „Spengler im heutigen Russland. Zur Neu-Eurasischen Rezeption der Kulturmorphologie“. Gilbert Merlio, Daniel Meyer (Hrsg.). Spengler ohne Ende. Ein Rezeptionsphänomen im internationalen Kontext. Frankfurt am Main: Peter Lang 2014. 243–256.

—-. „Sprache als Erinnerungsort in der Ukraine, Georgien und Aserbaidschan“. Jörg Roche, Jürgen Röhling (Hrsg.). Erinnerungsorte und Erinnerungskulturen. Konzepte und Perspektiven für die Sprach- und Kulturvermittlung. Baltmannsweiler: Schneider 2014. 143–154.

—-. „Vom Panslavismus über den Panturkismus zum Eurasismus. Die russisch-türkische Ideenzirkulation und Verflechtung der Ordnungsvorstellungen im 20. Jahrhundert“. Stefan Troebst, Agnieszka Gasior, Lars Karl (Hrsg.). Post-Panslavismus. Slavizität, Slavische Idee und Antislavismus im 20. und 21. Jahrhundert. Göttingen: Wallstein 2014. 448–474.

—-. Rezension von Jarosz, Marija. Spannende Zeiten. Aus dem Leben einer polnischen Soziologin. Wiesbaden: Harrassowitz 2013. Polish-Studies. Interdisciplinary Scholarly information and international communication. 21.05.2014 (https://www.pol-int.org/de/publikationen/spannende-zeiten-aus-dem-leben-einer-polnischen-soziologin?language=de#r440).

—-. Rezension von Kåre Johan Mjør. Reformulating Russia. The Cultural and Intellectual Historiography of Russian First-Wave Émigré Writers. Leiden: Brill 2011. Jahrbücher für Geschichte Osteuropas. 2014. jgo.e-reviews. 2014, 3. 28–29 (http://recensio.net/r/491ecfe3757147958058fec538d545f2).

—-. „Ankieta na temat badań stosunków polsko-niemieckich do,Rocznika‘ CBN PAN“.Robert Traba (Hrsg.). Historie wzajenmych oddziaływań. Berlin, Warschau: Oficyna Naukowa 2014. 292–294.

—-. „Aserbaidschan: Befreiung und Konflikt – der Umgang mit Verlusten in einer post-kolonialen Gesellschaft“. Andreas Hilger, Oliver von Wrochem (Hrsg.). Die geteilte Nation. Nationale Verluste und Identitäten im 20. Jahrhundert. (Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 107). München: Oldenbourg 2013. 135–151.

—-. „Bolshevik Post-Colonialism, Eurasian Perspective and Entangled Intellectuals. Russian Debates on Spengler in the Interwar Period“. Zaur Gasimov, Carl Antonius Lemke Duque (Hrsg.). Oswald Spengler als europäisches Phänomen. Der Transfer der Kultur- und Geschichtsmorphologie im Europa der Zwischenkriegszeit (1919–1939). (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte, Beiheft 99). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2013. 67–82.

—-. Rezension von Matsuzato, Kimitaka (Hrsg.). Comparative Imperiology. (Slavic Eurasian Studies 22). Sapporo: Slavic Research Center Hokkaido University 2010. Dietmar Neutatz, Martin Schulze Wessel (Hrsg.). Jahrbücher für Geschichte Osteuropas. 2013 (http://www.dokumente.ios-regensburg.de/JGO/erev/Gasimov_Comparative_Imperiology.html).

—-. Lemke Duque, Carl Antonius (Hrsg.). Oswald Spengler als europäisches Phänomen. Der Transfer der Kultur- und Geschichtsmorphologie im Europa der Zwischenkriegszeit (1919–1939). (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Beiheft 99). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2013.

—-. Lemke Duque, Carl Antonius. „Oswald Spengler als europäisches Phänomen. Die Kultur- und Geschichtsmorphologie als Auslöser und Denkrahmen eines transnationalen Europa-Diskurses“. Zaur Gasimov, Carl Antonius Lemke Duque (Hrsg.). Oswald Spengler als europäisches Phänomen. Der Transfer der Kultur- und Geschichtsmorphologie im Europa der Zwischenkriegszeit (1919–1939). (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte, Beiheft 99). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2013. 7–14.

—-. Rezension von Hosking, Geoffrey. Russian History. A Very Short Introduction. (Very Short Introductions 308). Oxford: Oxford University Press 2012. Martin Schulze Wessel, Dietmar Neutatz (Hrsg.). Jahrbücher für Geschichte Osteuropas. 2013 (http://www.oei-dokumente.de/JGO/erev/Gasimov_Hosking_Russian_History.html).

Internationale Konferenz: Mimesis in Transl/national Turn

Verantwortlich: Prof. Dr. Raoul Motika, Dr. Yığıt Topkaya & Prof. Dr. Özlem Öğüt

Veranstaltungsdatum: 17.–18.12.2015

Hauptkooperationspartner: Boğaziçi Üniversitesi

Basierend auf dem Entstehungskontext sowie der Rezeptions- und Wirkungsgeschichte von Erich Auerbachs opus magnum Mimesis. Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen Literatur wurde im Rahmen der Konferenz “Mimesis in transl/national turn“ insbesondere der Frage nach dem Einfluss von Literatur und literarischer Übersetzung als ‚nachahmende Kunst’ nachgegangen. Das Hauptaugenmerk der interdisziplinär geführten Diskussion lag dabei auf der Analyse kultureller Transformationsprozesse.

Vortragsreihe am Orient-Institut Istanbul: Borderlands, Encounters and Actors. Turkish-Russian Relations and Entagled History Revisited

Verantwortlich: Dr. Zaur Gasimov

Veranstaltungsdatum: Frühjahr 2014

Im Fokus der Vortragsreihe „Borderlands, Encounters, and Actors: Turkish-Russian Entangled History Revisited“ stand die russisch-türkische Verflechtungsgeschichte seit der spätosmanischen bzw. spätzaristischen Epoche bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991. Vorträge aus unterschiedlichen Disziplinen zur Entwicklung der türkischen Slawistik und Russistik, der Übersetzungsgeschichte der russischen Literatur ins Türkische, der komparativen Betrachtung des russischen und türkischen Staatsverständnisses sowie der aktuellen Lage auf der Halbinsel Krim stellten unterschiedliche Facetten des Themas vor. Einbezogen in die Vortragsreihe wurden türkische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Istanbul und Ankara, die zu russisch-türkischen und osmanisch-slawischen Beziehungen arbeiten.

Workshop: Sechs Jahrhunderte der polnisch-osmanischen Verflechtungen in Istanbul: Identitäten und Intellektuelle Transfers

Verantwortlich: Dr. Zaur Gasimov, Dr. Richard Wittmann, Paulina Dominik (Oxford University), Katarzyna Papierz (IFEA) und Michal Polczynski (Georgetown University)

Veranstaltungsdatum: 13.–14.3.2014

Das Ziel dieses internationalen und interdisziplinären Workshops war die Analyse der polnisch-osmanisch-türkischen Verflechtungsgeschichte inklusive ihrer intellektuellen Dimensionen. Im Fokus des Workshops stand die sechshundertjährige Interaktion zwischen den beiden imperialen Grenzräumen.

Die Präsentationen widmeten sich unter anderem der Migration zwischen der Polnisch-Litauischen Union und dem Osmanischen Reich im 16. Jahrhundert, dem Einfluss der polnischen Einwanderer und Politemigranten auf die Entwicklungen im Osmanischen Reich, der Entstehung der französischsprachigen polnischen Frauenliteratur in Istanbul in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie der Aktivität des exilkrimtatarischen Politikers und Intellektuellen Cafer Seydahmet zwischen Polen, der Krim und der Türkei in der Zwischenkriegszeit.

Der Hamburger Diplomat und Orientalist Andreas David Mordtmann (1811-1879) als Zeitzeuge der spätosmanischen Geschichte.

Verantwortlich: Tobias Völker, M.A. (Universität Hamburg)

Unterstützt von: OII (Promotionsstipendium, 1.5. ̶ 31.10.2016)

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit dem Leben und Werk des Hamburger Orientalisten Andreas David Mordtmann (1811–1879), der 1846 nach Istanbul kam und hier zunächst als hanseatischer Gesandter und ab 1860 als osmanischer Staatsbeamter tätig war. Mordtmann nutzte den Aufenthalt für seine Studien: er bereiste Anatolien, sammelte Münzen und Bleisigel, entzifferte Inschriften und übersetzte Handschriften. Zugleich betätigte er sich als politischer Beobachter und Journalist. Seine Schriften zeichnen sich durch eine spezielle transkulturelle Perspektive aus, denn er engagierte sich in der deutschen Gemeinde in Istanbul ebenso wie in verschiedenen osmanischen Zirkeln. Als osmanischer Staatsbeamter war er außerdem aktiv an den Reformen beteiligt, über die er für ein breites deutsches Publikum berichtete. Die sich daraus ergebende Ambivalenz und der besondere Blick, mit dem Mordtmann die politischen und sozialen Umbrüche im Osmanischen Reich während der Periode der Tanzimat-Reformen (1839-1876) beschreibt, sollen in dem Dissertationsprojekt herausgearbeitet werden. Zugleich soll Mordtmann als Forscher gewürdigt werden, der durch seine Studien vor Ort wichtige Grundlagenarbeit für die Disziplin der Osmanistik leistete.

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