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Stipendiatinnen / Stipendiaten 2018-12-11T15:19:17+00:00

Promotionsstipendiatinnen und -stipendiaten

Kenan Behzat Sharpe (University of California, Santa Cruz)

Der Anadolu Rock und die 1960er Jahre in der Türkei

Die Dissertation von Kenan Behzat Sharpe an der California University, Santa Cruz, beschäftigt sich mit sozialen Bewegungen und kultureller Produktion von 1960–1970. Während seines Aufenthaltes am OII wird er vor allem zum Thema Anadolu Rock forschen. Anadolu Rock ist eine Musikform, in welcher die in den USA und Westeuropa seit den 1960er Jahren populäre Elektrogitarre mit anatolischen Instrumenten und Volksliedern kombiniert wird. Bekannte Vertreter sind Musiker wie Cem Karaca und Barış Manço sowie Gruppen wie Moğollar. In dem Forschungsprojekt sollen die Geschichte sowie die sozialen und politischen Dimensionen von Anadolu Rock beleuchtet werden.

Der Aufstieg von Anadolu Rock fand zeitgleich zum Aufstieg der radikalen Linken in den 1960er Jahren statt. Eine direkte Verbindung mit der Linken der Türkei ist jedoch schwierig zu ziehen, da in den Kämpfen zwischen Links und Rechts jener Jahre einige dieser Künstler zu Positionen der sozialistischen Bewegung neigten, andere jedoch zu denen nationalistischer Organisationen. Auch die Hörer waren unterschiedlicher politischer Auffassung. Diese bekannten Fakten leiten zu weiteren Fragen: Inwieweit und wie überschneidet sich die Musikform mit den dominanten Ideologien dieser turbulenten Zeit? In gewisser Weise verwirklichte Anadolu Rock mit seiner Verbindung westlicher Instrumentation mit anatolischer Volkskultur die Synthese, die sich die offizielle Ideologie der Republik vorgestellt hatte. Andererseits jedoch öffnete dieser hybride Stil Felder für neue Protestformen, neue Wahrnehmungen von sozialen Geschlechterrollen und zum freieren Ausdruck von unterdrückten Kulturen wie dem Alevitentum.

In dem Forschungsprojekt sollen anhand der Sänger*innen Tülay German, Cem Karaca und Selda Bağcan „akzeptierte“ und „gefährliche“ Aspekte untersucht werden.

Türkischsprachige Untersuchungen, Quellen zur weltweiten psychedelischen Rock- Bewegung, Oral History und Archivarbeiten sollen herangezogen werden. Vergleiche mit Amerika, Mexiko und Kambodscha zielen darauf, Anadolu Rock auch in einem globalen Kontext zu untersuchen. Interviews mit Musikern sowie Literaturrecherche in Zeitschriften wie Hey, Ses oder Müzik Ekspres sollen dabei besonderen Raum einnehmen. Gleichzeitig ist das Projekt von Forschern der Cultural Studies wie Greil Marcus, Simon Frith oder Michael Denning beeinflusst.

Şafak Kılıçtepe (Indiana University, Bloomington)

Reporduktionstechnologien, Pronatalismus und Ethnizität: Eine Ethnographie der in der Türkei situierten Reproduktion

Şafak Kılıçtepe ist Doktorandin im Fach Medizinanthropologie an der Indiana Universität, Bloomington. In ihrem Dissertationsprojekt untersucht sie, ob und in welchem Maße die Erfahrungen von Reproduktion und Infertilität von Frauen in politischen Spannungsgebieten der Türkei von der sich verändernden Minderheitenpolitik sowie dem politischen Islam beeinflusst werden. Dabei soll in einem interdisziplinären Ansatz die Methodik der Multi-Sited Ethnography zum Einsatz kommen. In diesem Kontext werden die Erfahrungen insbesondere sunnitischer kurdischer Frauen unterschiedlicher sozio-ökonomischer Statusgruppen erhoben und schwerpunktmäßig die Bereiche Assistive Reproduktionstechnologien (ART), In-vitro-Fertilisation (IVF) und die diesbezüglichen Regulierungen untersucht.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Fragen zum Zugang und Transformationspotenzial von ART: für wen und wie sind Assistive Reproduktionstechnologien zugänglich, wie werden diese Wege ausgehandelt, und wie beeinflussen solche Technologien das Alltagsleben sowie die demographische Struktur? Diese Themen sind eng verknüpft mit – sich ändernder – staatlicher Politik, der Konstruktion des Nationalstaats und den ART-Regulierungen. Die erwünschten Kriterien von Staatsbürgerschaft bestimmen auch den Gebrauch und Zugang zu ART. Zentrale Fragen des Forschungsprojekts sind, wer in diesem Sinne „idealer“ Staatsbürger ist, wer nach welcher Definition als „ideal“ angesehen wird, sowie die Rolle kurdischer Frauen innerhalb dieser Definition. Daher ist auch die Frage wichtig, wie sich die Erfahrungen kurdischer Frauen bezüglich der Reproduktion von denen der als „ideal“ betrachteten Staatsbürgerinnen unterscheiden? Auf diesem Wege sollen neu entstehende Familienstrukturen und Geschlechterverständnisse mitsamt ihrer Verortung innerhalb der Definition des „Idealen“ beleuchtet werden.

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