Stipendiatinnen / Stipendiaten

Jaimee Comstock-Skipp (Leiden University)
Die vergessenen Jahrzehnte: Die Übernahme von Firdausīs Epos Shāhnāma bei den Shaybānid Usbeken – Künstlerischer Austausch von Bagdad bis Buchara

Folioblatt „Rustam lifting Afrasiab from the saddle“ aus einem Shāhnāma -Manuskript (H.1488), Bibliothek des Topkapi Palastes. Buchara 1564, Geschenk an Sultan Murad III, 1594.

In ihrer Doktorarbeit untersucht Jaimee Copmstock-Skipp illustrierte Manuskripte aus dem 16. und 17. Jahrhundert aus dem osmanischen Reich und von den Shaybānid Usbeken in Transoxanien. Während die Shāhnāma Manuskripte aus dem iranischen Kernland vielfach Gegenstand der Forschung waren, wurde den politischen und künstlerischen Verbindungen der umgebenden Regionen bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Durch die Konzentration auf diese noch unbearbeiteten Themen, bereichert die Arbeit die Forschung zu illustrierten persischen Manuskripten, die normalerweise nur einer Dynastie zugeordnet werden. Ausgangsfrage ist dabei was einen Shāhnāma zu einem „Shaybānid“ macht. Überliefertes visuelles Material in persisch- und turk-sprachigen Kopien von Firdausīs illustriertem epischen Gedicht, sowie in royalen biographischen Werken, die ihm nachempfunden sind, zeigen den Transit von Manuskripten, Stilen, Schreibern, Künstlern und Konzepten durch Anatolien, den Iran und Transoxanien. Die kunsthistorische Untersuchung dieser Prozesse bildet einen Beitrag zur Forschung sowohl über turko-persische Buchkunst als auch über die politische Geschichte der osmanischen und zentralasiatischen Reiche in der frühneuzeitlichen Periode.

Armand Aupiais (Université de Paris)
Evangelikale Gläubige in der Türkei: Stadtkreisläufe, Religiöse Arbeit, Christliche Geschichte

Protestantische Kirche in Antakya, Foto: Armand Aupiais

In seiner Doktorarbeit befasst sich Armand Aupais mit den unterschiedlichen, vergangenen und gegenwärtigen protestantischen Präsenzen in Istanbul, basierend auf einer ethnographischen Umfrage in dreißig Kirchen. Untersucht werden die interdependenten und unsymmetrischen Beziehungen zwischen den evangelikalen Gruppen und den durch sie geformten städtischen Kreisläufen, je nachdem, ob es sich dabei mehrheitlich um westliche Ausländer, türkische Christen, türkische Konvertiten oder Migranten aus dem globalen Süden handelt. Daran anknüpfend konzentriert er sich auf die beiden letztgenannten Gruppen im Rahmen einer Untersuchung der wenigen ‘türkischen’, ‘Einwanderer-’ und ‘gemischten’ Kirchen. Die Dissertation zeigt wie die Aufteilung religiöser Arbeit, verflochten mit den sozialen Lebenswegen der Gläubigen, starke optimistische Narrative ausdrückt und dazu tendiert die Türkei als Herz des zeitgenössischen Christentums zu definieren. In Ergänzung yu  seiner Dissertation erforscht er die Beteiligung der aus der Türkei stammenden und der aus dem globalen Süden kommenden Gläubigen ın der zeitgenössischen christlichen Landschaft der Türkei. Auf der Basis einer ethnographischen Untersuchung in mittelgroßen anatolischen Städten wird ermittelt, wie winzige und marginale Gruppen von Gläubigen, die nicht die Erben einer anerkannten Minderheitserinnerung sind, eine historische Kontinuität mit der osmanischen Vergangenheit rekonstruieren können, indem sie die Makroerzählungen der konfessionellen Teilung in Frage stellen oder sich sogar auf ein osmanisch-protestantisches Erbe berufen.

Shahrzad Irannejad (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
Lokalisierung der avicennischen inneren Sinne in einem hippokratischen Körper

Das erste Kapitel des dritten Buchs von Avicenna The Canon of Medicine on the anatomy of the brain. Leiden University Library Or. 7, f1b.

Die Gelehrten des Mittelalters, sowohl in Europa als auch im islamischen Raum, waren der Überzeugung, dass es, zusätzlich zu den fünf „äußeren“ bzw. „externen“ Sinnen, also Fühlen, Schmecken, Riechen, Hören und Sehen, auch einige „innere“ Sinne gebe. Diese Theorie besagt, dass bestimmte mentale Fähigkeiten, die in den Ventrikeln (oder Löchern) des Gehirns lokalisiert seien, sensorische Informationen verarbeiten, konzipieren und speichern. Der Philosoph und Arzt Avicenna (980–1037 n.Chr.) scheint die komplexeste und einflussreichste Version der Theorie der inneren Sinne unter den mittelalterlichen Philosophen entworfen zu haben. Verschiedene Elemente dieser Theorie können auf bedeutende griechische Gelehrten zurückgeführt werden; Diese Elemente wurden in der arabischen Tradition über die “Abbasidische Übersetzungsbewegung” aufgenommen. Die geplante Untersuchung soll paradigmatisch zu unserem Verständnis der Beziehung zwischen Philosophie und Medizin in der mittelalterlichen islamischen Welt beitragen. Diese Studie wird daher die diachrone Transformation von Konzepten und Ideen, die sich auf das Gehirn und den Geist beziehen, durch ihren Transfer über sprachliche, diskursive und kulturelle Grenzen diskutieren.

Am Orient-Institut in Istanbul wird Shahrzad Irannejad sich mit den kodikologischen Aspekten der Manuskripte befassen, deren digitale Kopien sie bisher für ihre Dissertation verwendet hat. Außerdem wird sie sich schwerpunktmäßig einem Manuskript aus der Yeni Cami-Sammlung in der Süleymaniye-Bibliothek widmen. Dieses Manuskript mit dem Text von Ḫalīfa ibn Abī al-Maḥāsin al-Ḥalabīs Al-Kafī fi-l-Kuḥl enthält eine sehr seltene Illustration der Theorie der inneren Sinne in der arabischen Tradition. Shahrzad Irannejad wird kodikologische Ansätze nutzen, um dieses Manuskript als Objekt/Medium des Wissenstransfers zu verstehen und die Illustration als Allegorie für das Zusammenkommen der verschiedenen Elemente der Theorie der inneren Sinne in einem Schnittpunkt von Sprachen, Kulturen und Wissensgebieten zu analysieren.

Esther Voswinckel Filiz, M.A. (Ruhr-Universität Bochum)
Aziz Mahmud Hüdayi in Istanbul – Biographie eines Ortes

Mausoleum des Aziz Mahmud Hüdayi

Aziz Mahmud Hüdayi (1543–1628) ist eine weit über die Grenzen Istanbuls hinaus berühmte Persönlichkeit des osmanischen Sufismus. Er gilt als “zweiter Pir” (pîr-i sânî) des Celvetiyye-Ordens, als Lehrer verschiedener Sultane und als Schutzpatron der Seefahrer und des Bosporus. Sein Mausoleum (türbe) auf der asiatischen Seite Istanbuls, mitten im Viertel Üsküdar an einem Hang mit Blick aufs Wasser gelegen, ist ein lebendiger, von einem vielfältigen Publikum frequentierter, innerstädtischer Wallfahrtsort. Sprechen Istanbuler von Aziz Mahmud Hüdayi, meinen sie häufig sowohl den Sufi-Heiligen als Person als auch den spezifischen Ort, an dem der Heilige besucht wird: seine Grabstätte. Aus der Irritation über diese Nähe zwischen den Konzepten „Ort“ und „Person“ resultiert der zweite Teil des Titels: „Biographie eines Ortes“.

In dem religionsethnologischen Forschungsprojekt geht es um den Ort von Aziz Mahmud Hüdayi als religiösen Anziehungspunkt. Wie treten Menschen hier mit dem Heiligen in Beziehung und welche Rolle spielt die vielschichtig vorliegende Materialität der Stätte bei dem Aufbau dieser Beziehung? Zwischen 2013 und 2015 wurde das Mausoleum von Aziz Mahmud Hüdayi – wie auch zahlreiche andere Sakralstätten der Sufis in Istanbul zwischen 2010 und heute – aufwendig restauriert und anschließend wiedereröffnet. Die Restaurierung des Mausoleums ist der Ausgangspunkt der stationären Feldforschung in Üsküdar. Dabei steht im Zentrum der Untersuchung die besondere Ästhetik, Architektur und Ausstattung der türbe, die Untersuchung des Umgangs mit Elementen und Stofflichkeiten des Ortes. Dabei werden die Spuren der Dinge des Heiligen Aziz Mahmud Hüdayi verfolgt, welche heutzutage in verschiedenen Istanbuler Archiven aufbewahrt werden.

Innerhalb der zahlreichen Sakralstätten der Sufi-Orden in Istanbul stellt das Mausoleum von Aziz Mahmud Hüdayi einen Sonderfall dar. Nachdem im Jahr 1925 alle Sufi-Orden verboten und geschlossen worden waren, fielen die allermeisten Heiligengräber und Konvente (tekke) Plünderungen zum Opfer; viele Gebäude wurden dem Verfall überlassen oder abgerissen; ein großer Teil der rituellen Paraphernalia und Devotionalien der Orden ging verloren. Im Fall von Aziz Mahmud Hüdayi konnte jedoch eine Sammlung „persönlicher Hinterlassenschaften“ (emanetler) bis in die 1970er-Jahre im Mausoleum aufbewahrt werden. Die Untersuchung dieser Sammlung und die Bestandsaufnahme der heutigen Ausstattung des Mausoleums werfen Licht auf zahlreiche wichtige, heute nur noch an wenigen Heiligengräbern in Istanbul anzutreffende, rituelle Aspekte des Sufi-Heiligenkultes: etwa die Fertigung des Grabturbans (tâç-ı şerîf) mit seiner komplexen Symbolik oder der Brauch der Einkleidung des Kenotaphen mit bestimmten Tüchern.

Das Dissertationsprojekt stellt damit einen Beitrag zur Erforschung der materiellen Kultur des Sufismus dar; die Stofflichkeiten und „Dinge“ der Sufi-Orden zwischen 1925 und heute sind bisher kaum als eigene Dimension der Religionsgeschichte Istanbuls ausgewertet worden.

Gastwissenschaftler/-innen

Gülşah Torunoğlu
Eine vergleichende Geschichte des Feminismus in Ägypten und der Türkei, 1880-1935: Dialog und Differenz

“Wir sind hier um unsere Bewunderung der Türkei zu zeigen!“ Die jugoslawische (links) und ägyptische Delegation bei der Kranzniederlegung am Taksim Denkmal (Die Leiterin der ägyptischen Delegation, Sitti Şaravi [Huda Shaʿrāwī] hält eine Rede). Cumhuriyet, v. 16. April 1935, S. 1. [Atatürk Kütüphanesi, Istanbul]

Das aktuelle Buchprojekt, A Comparative History of Feminism in Egypt and Turkey, 1880-1935: Dialogue and Difference untersucht die Interaktion zwischen organisierten Frauenbewegungen in der Türkei und Ägypten und ihre Beziehung zum globalen Frauenaktivismus im späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert. Auf der Grundlage von zweijährigen Archivforschungen in der Türkei, Ägypten und dem Vereinigten Königreich untersucht das Projekt Torunoğlu den Dialog zwischen türkischen und ägyptischen Feminismen, vergleicht nationalistische mit islamischen Tendenzen unter ihnen und zieht eine Bilanz ihrer Interaktionen mit und Widerstände gegen den westlichen Feminismus. Indem sie die Entwicklung des feministischen Diskurses in Ägypten und im Osmanischen Reich mit den säkularen und religiösen Reformtraditionen in beiden Ländern in einer vergleichenden Perspektive behandelt, versucht ihre Arbeit, ein breiteres und tieferes Verständnis des Feminismus im Nahen Osten zu fördern, losgelöst von der vorherrschenden, nationalistischen Erzählung seiner Entwicklung.

Gülşah Torunoğlu ist eine Gastwissenschaftlerin, die sich auf die vergleichende Frauengeschichte im Nahen Osten spezialisiert hat. Sie hat an der Ohio State University in Geschichte promoviert (2019) und hatte Gastforschungsaufenthalte an der University of Wisconsin-Madison, der American University in Cairo (AUC) und der Princeton University. Während des akademischen Jahres 2019-2020 war sie Postdoc-Stipendiatin am Forschungszentrum für anatolische Zivilisationen der Universität Koç (ANAMED). Im Sommer 2020 gab sie eine Lehrveranstaltung über Frauen und Gender in der Literatur an der Universität Koç. Die Forschung von Torunoğlu wurde durch Preise und Stipendien aus verschiedenen Quellen unterstützt, darunter das Fulbright-Stipendium und das Adıvar Stipendium für Osmanistik und Turkologie sowie das Stipendium für die Genevieve-Brown-Gist-Dissertationsforschung an der Ohio State University.

Am Orient-Institut wird sie zur Erweiterung des Forschungsfeldes zu autobiographischen Quellen für die Erforschung der türkischen und osmanischen Geschichte beitragen, indem sie die Forschungszusammenarbeit in der Türkei und international zu Frauen und ihren autobiographischen Schriften fördert.

Merve Köksal (Akdeniz University, Antalya)
Eine Hintergrundgeschichte der Besatzung: Leben im Istanbuler Untergrund, 1918–1923

“(Bar)ın manası bizde (yük) demektir! Musavviri: Ramiz” (Bar bedeutet für uns eine Last! Illustrator: Ramiz) aus der 71sten Ausgabe von Aydede, 4. September 1922.

Die ersten Jahre nach dem Ersten Weltkrieg hatten sowohl destruktive als auch konstruktive Auswirkungen auf Istanbul, eine Stadt, deren Potential des multikulturellen und vielsprachigen Zusammenlebens schon lange große Anziehungskraft ausgeübt hatte. Die fast fünf Jahre andauernde alliierte Besatzung verwandelte die Hauptstadt des Reichs in einen der hektischsten Knotenpunkte der Welt. Für viele Menschen stellte Istanbul den Punkt des Übergangs auf ihrer Reise in den Westen dar. Als natürliches Ergebnis dieses Zustands im Fluss entwickelte sich die Stadt zu einem ungewöhnlichen Schmelztiegel, der idiosynkratische kulturelle Formen hervorbrachte. Der Istanbuler Untergrund war demgegenüber eine ausgesprochene Zone der Vermischung, geprägt sowohl von dem Trauma, das durch die raschen Veränderungen ausgelöst wurde, als auch von der Produktivität, die durch das Chaos hervorgebracht wurde. Trotz des eigentümlich kosmopolitischen Wesens und einzigartiger transnationaler Begegnungen im Kontext der Besatzungszeit ist das Wissen über den Istanbuler Untergrund, der in dieser turbulenten Atmosphäre neu geformt wurde, höchst begrenzt.

Ziel der Dissertation ist, das vielfältige Leben im Untergrund mit einer interdisziplinären Herangehensweise zu erforschen, die multinationale Interaktionen mit Hilfe sowohl von Erlebnisberichten als auch von künstlerischen Werken untersucht, und einen alternativen Blick aus der Perspektive der Mikrohistorie auf die Geschehnisse zu richten. Der Schwerpunkt wird auf dem Viertel Asmalımescit in Pera liegen, ein städtischer Bereich, der stark mit aufgrund von sozialen oder politischen Zusammenhängen oder sexueller Identität aus der Gesellschaft ausgeschlossenen Personen verwoben war. Dies sind zum Beispiel Künstler*innen und Intellektuelle im Exil, Bohemiens und Besucher der Nachtclubs, Personen, die herkömmlicherweise im akademischen Schrifttum nicht zugänglich sind.

Die Auseinandersetzung mit die umfangreichen literarischen Texte, Tagebücher, Memoiren und Reiseberichte, die uns intime Einblicke erlauben, sowie das Studium der Privatarchive, Kunstsammlungen und bislang noch nicht ausgewerteten Berichte und Abbildungen in Zeitungen und Zeitschriften versprechen, Licht auf das Leben im Untergrund von Asmalımescit zu werden. Das Forschungsprojekt hat das Ziel, offenzulegen, in welcher Weise Dynamiken innerhalb des klandestinen Lebens während der Besatzungszeit in bemerkenswert kurzer Zeit weitreichende soziale Wandlungsprozesse in Gang setzten, die sich stark auf das kulturelle Leben der frühen Republik Türkei auswirkten. Die innere Produktivität des Istanbuler Untergrunds soll durch die komplexen, aber fruchtbaren Beziehungen, die von den marginalisierten Gruppen gepflegt wurden, entschlüsselt werden, damit die Personen, aus denen sich diese Szene zusammensetzte, als Akteure und Erzählstimmen in bestehende Geschichtserzählungen aufgenommen werden können.

Jilian Ma (Koç-Universität, Istanbul)
Osmanisch/türkisch-chinesischer intellektueller Austausch zwischen 1908 und 1939

Zwei Fotos von Chinesen aus einem osmanischen Lehrbuch, Resimli Haritalı Coğrafya-ı Umumi (Üçüncü Sene) (Istanbul: İbrahim Hilmi Askeri Kütüphanesi, 1911), S. 125.

Das Dissertationsprojekt hat zum Ziel, den osmanisch/türkisch-chinesischen intellektuellen Austausch zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nachzuverfolgen. Dies war eine Epoche, in der beide Länder nach Lösungen für vergleichbare Krisen des Verfalls im Inneren und Einmischung von außen suchten. In dieser Zeit gingen Großreiche unter, und Nationalstaaten entstanden im Zuge der Jungtürkenrevolution (1908-1909), dem türkischen Unabhängigkeitskrieg (1919-1923) und den sozioökonomischen Reformen in der Türkei sowie der Xinhai-Revolution (1911), der nationalistischen Revolution (1924-1927) und dem Agrarrevolutionskrieg (1927-1937) in China. In dieselbe Zeit fielen auch die osmanischen Versuche, einen Botschafter in Peking zu etablieren (1908, 1909), und die Unterzeichnung des chinesisch-türkischen Freundschaftspakts im Jahr 1934. Die Wege, auf denen die Türkei und China in die Moderne gezwungen wurden, begannen in dieser Zeit Gestalt anzunehmen, und die Gedanken und Ideen, die dabei entstanden, finden bis heute Widerhall.

Auf der Grundlage der Analyse sowohl osmanischer als auch chinesischer Archivdokumente, von Zeitungsartikeln, Reiseberichten und Memoiren einiger wichtiger Politiker und Intellektueller wird untersucht, was diese beiden entfernten Gesellschaften voneinander wussten, wie sie sich in Bezug auf politische Probleme der (National)Staatsbildung und religiöse Verbindungen gegenseitig darstellten und wahrnahmen, wie die Interaktion ihr Wissen voneinander prägte und welche Auswirkungen einige Dritte auf die Begegnungen dieser beiden Länder hatten. Durch die Verschiebung des Blickwinkels weg vom westlichen Diskurs über den „kranken Mann Europas“ und den „kranken Mann Asiens“ hin zu der Frage, wie diese beiden Länder einander tatsächlich wahrgenommen und miteinander interagiert haben, wird versucht, Licht auf den intellektuellen Austausch und die gegenseitigen Antworten auf die Herausforderungen zu werfen, mit denen zwei große nicht-westliche Mächte konfrontiert waren.