Bibliothek Öffnungszeiten: Montag - Donnerstag 10:00 - 19:00 Uhr / Freitag 09:00 - 13:00 Uhr

Stipendiatinnen / Stipendiaten

/Stipendiatinnen / Stipendiaten
Stipendiatinnen / Stipendiaten 2019-01-09T16:09:28+00:00

Promotionsstipendiatinnen und -stipendiaten

Polina Ivanova (Harvard University, Department of History)
Migration, Besiedlung und Wandel der Kulturlandschaft im mittelalterlichen Anatolien

Polina Ivanova ist Doktorandin am Fachbereich Geschichte der Harvard Universität. Ihre Dissertation behandelt die Geschichte der Migration und Besiedlung und damit des Wandels der Kulturlandschaft in Anatolien zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert. Ihre Forschung fokussiert sich auf die Region des zentralen Pontusgebirges und untersucht die kulturellen Transformationsprozesse des mittelalterlichen Anatolien auf lokaler Ebene. Betrachtet man das zentrale Pontusgebirge des frühen 11. Jahrhunderts, so würde man die Region als Teil der byzantinischen Welt einordnen. Sieht man jedoch den gleichen geographischen Raum im Zeitraum der folgenden zwei Jahrhunderte an, so multiplizieren sich die Interpretationsmöglichkeiten. Abhängig von den jeweils betrachteten Quellengruppen könnte man dieses Gebiet alternativ als westlichen Rand des Großirans, als Randgebiet des westlichen Armeniens, als Teil des Emirats der Danischmendiden, des Sultanats der Rum-Seldschuken und des Reichs der Ilchane oder als die Wiege des Babaī-Aufstands und als eine der Geburtsregionen des anatolischen Alevitentums interpretieren.

Die Bewohner des mittelalterlichen Anatolien sprachen und verstanden mehrere Sprachen: verschiedene Muttersprachen und visuelle Sprachen, Regierungssprachen und Sprachen des Heiligen. Sie bewohnten den gleichen geographischen Raum und doch hatten sie gänzlich verschiedene Vorstellungen von diesen Räumen. Die Dissertation untersucht und vergleicht die Prozesse, mit denen Einwohner des mittelalterlichen zentralen Pontusgebirges konkurrierende und ergänzende Visionen dieser Region durch Nutzung der natürlichen Umgebung, Bautätigkeit, Namensgebung und anderer Formen des kollektiven kulturellen Gedächtnisses geschaffen haben. Das Stipendienprojekt, das einen Teil der Dissertation bildet, zeichnet die Entstehung des zentralen Pontusgebirges als Grenze der iranischen Welt nach.

Şafak Kılıçtepe (Indiana University, Bloomington)
Reporduktionstechnologien, Pronatalismus und Ethnizität: Eine Ethnographie der in der Türkei situierten Reproduktion

Şafak Kılıçtepe ist Doktorandin im Fach Medizinanthropologie an der Indiana Universität, Bloomington. In ihrem Dissertationsprojekt untersucht sie, ob und in welchem Maße die Erfahrungen von Reproduktion und Infertilität von Frauen in politischen Spannungsgebieten der Türkei von der sich verändernden Minderheitenpolitik sowie dem politischen Islam beeinflusst werden. Dabei soll in einem interdisziplinären Ansatz die Methodik der Multi-Sited Ethnography zum Einsatz kommen. In diesem Kontext werden die Erfahrungen insbesondere sunnitischer kurdischer Frauen unterschiedlicher sozio-ökonomischer Statusgruppen erhoben und schwerpunktmäßig die Bereiche Assistive Reproduktionstechnologien (ART), In-vitro-Fertilisation (IVF) und die diesbezüglichen Regulierungen untersucht.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Fragen zum Zugang und Transformationspotenzial von ART: für wen und wie sind Assistive Reproduktionstechnologien zugänglich, wie werden diese Wege ausgehandelt, und wie beeinflussen solche Technologien das Alltagsleben sowie die demographische Struktur? Diese Themen sind eng verknüpft mit – sich ändernder – staatlicher Politik, der Konstruktion des Nationalstaats und den ART-Regulierungen. Die erwünschten Kriterien von Staatsbürgerschaft bestimmen auch den Gebrauch und Zugang zu ART. Zentrale Fragen des Forschungsprojekts sind, wer in diesem Sinne „idealer“ Staatsbürger ist, wer nach welcher Definition als „ideal“ angesehen wird, sowie die Rolle kurdischer Frauen innerhalb dieser Definition. Daher ist auch die Frage wichtig, wie sich die Erfahrungen kurdischer Frauen bezüglich der Reproduktion von denen der als „ideal“ betrachteten Staatsbürgerinnen unterscheiden? Auf diesem Wege sollen neu entstehende Familienstrukturen und Geschlechterverständnisse mitsamt ihrer Verortung innerhalb der Definition des „Idealen“ beleuchtet werden.

X

Send this to a friend