Manuskriptkultur im Osmanischen Reich und der Republik Türkei

 

Manuskriptkultur im Osmanischen Reich und der Republik Türkei

Verantwortlich: Prof. Dr. Raoul Motika

Der Forschungsschwerpunkt wird in enger Kooperation mit dem SFB 950 der Universität Hamburg aufgebaut, an dem Raoul Motika seit 2011 als Projektleiter beteiligt ist. Nach der positiven Entscheidung der DFG wurde der SFB mitsamt einem neuen Teilprojekt von Raoul Motika im Mai 2015 für weitere vier Jahre verlängert. Da Forschungsansätze, die sich in erster Linie mit der Materialität von Handschriftenkulturen beschäftigen – und das auch noch komparativ – in der Türkei weitgehend unbekannt sind, sollen türkische Forscherinnen und Forscher mit dieser neuen Forschungsrichtung vertraut gemacht werden. Dazu soll ein deutsch-türkisch-internationales Netzwerk aufgebaut werden, das auch eng mit der eher auf arabische Manuskripte orientierten „The Islamic Manuscript Association“ (TIMA) zusammenarbeitet.

Im Februar 2016 wurde in Istanbul eine gemeinsame Winterakademie veranstaltet. Des Weiteren wurden bereits jetzt gemeinsame Stipendien ausgeschrieben, sodass ab 2016 ein von R. Motika betreuter türkischer Doktorand für drei Jahre an das Graduiertenkolleg des SFB 950 an die Universität Hamburg gehen wird.

 

Vorlesen, Memorieren und Notieren: Manuskripte in alevitischen Dorfgemeinschaften Anatoliens

Verantwortlich: Prof. Dr. Raoul Motika & Janina Karolewski, M.A.

Laufzeit: 2015–2019

Das Projekt widmet sich der Manuskriptkultur in alevitischen Dorfgemeinschaften Anatoliens, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts gering alphabetisiert waren. Die Verwendung der Manuskripte beim Lernen und Lehren vornehmlich religiöser Inhalte wird anhand von vierzehn privaten Manuskriptsammlungen untersucht. Es werden die Geschichte, die Zusammenstellung und der Kontext der Sammlungen erforscht, um darauf aufbauend den Gebrauch der Manuskripte in kulturellen Praktiken zu studieren. So wird gefragt, wer welche Manuskripte schrieb bzw. benutzte; wie die unterschiedlichen Sammlungen zur Bewahrung und Vermittlung von Wissen beitrugen; ob Gebrauchsformen der Handschriften wie Vorlesen, Memorieren und Notieren ihren Inhalt oder ihr Erscheinungsbild beeinflussten und, falls ja, in welcher Form.

Buyruk-Manuskripte im Alevitentum: Sammelhandschriften als Träger und Vermittler religiösen Wissens zwischen Schriftlichkeit und Oralität

Verantwortlich: Prof. Dr. Raoul Motika & Janina Karolewski, M.A.

Laufzeit: 2011–2015

Das Projekt untersucht die Beschaffenheit und Funktion von ca. 30 einbändigen, Buyruk genannten Sammelhandschriften (multiple-text manuscripts; spätes 18. bis frühes 20. Jahrhundert), die religiöses Wissen im mündlich dominierten Kontext alevitischer Gemeinschaften bewahr(t)en und vermittel(te)n. Eine inhaltlich-manuskriptologische, sprachliche, paläografische und materialbezogene Analyse ermittelt die Charakteristika dieser „autonomen“ Manuskriptkultur insbesondere bezüglich der Wissensorganisation, der Tradierungswege und ‑techniken sowie der Textkompilation, auch um deren Veränderungen im Abgleich mit dem sozial-kulturellen Kontext nachverfolgen zu können.