Musik im Osmanischen Reich und in der Türkei

 

Musik und Musikleben der gegenwärtigen Türkei sind von wachsender Vielfalt und starken Widersprüchen geprägt. Urbanisierung, Medialisierung, Nationalisierung sowie im Gegenzug Internationalisierung haben praktische alle Musiksprachen des Landes stark verändert. Seit dem Ende des 20. Jahrhundert sind dabei Bemühungen immer deutlicher geworden, „traditionelle“ Musik zu rekonstruieren, sei es durch musikhistorisch fundierte historische Aufführungspraxis, durch die Wiederaufnahme von lange verbotenen oder unterdrückten Musikstilen (insbesondere Musik von ethnischen oder religiösen Minderheiten) oder durch teilweise sehr freie Neuschöpfungen unter Berufung auf alte Traditionen. Die Anpassung an die ästhetische und mediale Welt des 21. Jahrhundert erfordert dabei ein hohes Mass an Kreativität. In mehreren parallelen Projekten werden sowohl die musikhistorische Basis solcher Rekonstruktionen untersucht, als auch die mit ihnen verbunden musikalischen und ästhetischen Neuerungen.


Verantwortlich: Dr. Martin Greve Musik in Dersim

Wendelmoet Hamelink

Dörfer in Sasun heute

Aufbauend auf vorangegangenen eigenen Arbeiten soll sich die hier beantragte Studie mit den Schicksalen von Armeniern aus Sasun (Südost-Türkei) befassen. Vor 1915 war diese Region von einer Mischung aus kurdischen und armenischen Dörfern geprägt. Nach den Entwicklungen von 1915leben heute nur noch wenige Armenier dort, oft haben sie Kultur und Sprache ihrer kurdischen Umgebung übernommen, und viele migrierten ins Ausland. Was geschah mit den Armeniern aus Sasun und ihrer Kultur? Wie erleben sie ihre armenische Identität und wie drücken sie sie in Musik und Liedern aus? wie beziehen sie sich auf ihre armenische Vergangenheit und zu anderen Identitäten? Der transnationale Charakter dieser Studie soll ein Licht auf die verschiedenen Erfahrungen von Menschen werfen, die alle aus der gleichen Region stammen. Welche Geschichten hörten sie von ihren Eltern und Großeltern über das Leben in Sasun? All diese Themen sollen in Musik und Liedern untersucht werden, in Verbindung mit der Entwicklung von Identitäten in Lebenssituationen von Konflikt und Exil.

Osmanische Musikgeschichte

Post-byzantinische Notation, frühest 15 Jahrhundert mit persischem Musikstück (NLG 2401, 122v).

- ITS Band 28 

28. Kyriakos Kalaitzidis, Post-Byzantine Music Manuscripts as a Source for Oriental Secular Music (15th to Early 19th Century). Würzburg 2012.

 

 

Konzert zur Einweihung des neuen Institutsgebäudes, Ehrengast der feierlichen Eröffnung war der griechisch-orthodoxe Patriach Bartholomeos I.

Kyriakso Kalaitzidis (ud), Şevhar Beşiroğlu (kanun), Yelda Özgen (Cello) und Neva Özgen (kemençe) spielen in post-byzantinischen Notationen wiederentdeckten Werke: ein tasnîf des aserbeidschanischen Musiktheoretikers und Komponisten Abdülkadir Marâghî (1353 – 1453), eines Instrumentalstück von Hânende Zacharias (18.Jh) und zwei Lieder von dem Istanbuler Komponisten Petros Peloponnesios (1740 – 1778). 

http://vimeo.com/66142818

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Seit September 2013 kooperiert das Orient-Institut Istanbul mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in einem interdisziplinären Forschungsprojekt zur Musikgeschichte der Türkei und der benachbarten Regionen. 

www.uni-muenster.de/imperia/md/content/musikwissenschaft/pdf/flyerorient2014.pdf

 

Musik der Türkei in Deutschland

Eröffnungskonzert Baglama – Instrument des Jahres 2013 Berlin

Musik der Türkei spielt auch in Deutschland eine wachsende Rolle. Im Jahr 2013 erklärte der Berliner Landesmusikrat die Baglama zum Instrument des Jahres. In Kooperation mit dem Orient-Institut Istanbul fand unter anderem ein Kogress für Baglama-Lehrer statt, sowie am 14. / 15. September 2013 das erste Baglama-Symposium in Deutschland.

http://vimeo.com/80550805

http://vimeo.com/80550804

http://vimeo.com/80550803

 

Am 7. – 9. November 2014 findet an der Landesmusikakademie NRW ein Baglama Kongress statt: „Die Baglama im Kontext von Pädagogik, Musikschule, Jugend musiziert und Konzertwesen“

 

Post-traditionelle Musik in der Türkei (Martin Greve)

Gegenstand dieses Forschungsprojektes sind Veränderungen traditioneller Musik in der Türkei. Vier Tendenzen sollen dabei untersucht werden: 

- Die Tendenz zu Historisierung und historischer Rekonstruktion von Traditionen,

- Die Tendenz zu Internationalisierung traditioneller Musik der Türkei, sowohl der Musiker als auch des Publikums

- Die ständige Suche nach neuen hybriden Kombinationen von Ensembles, Repertoires, und musikalischen Arrangements

- Das Bemühen um Standartisierung angesichts der wachsenden musikalischen Vielfalt.

 

Geplanter Abschluß: Ende 2014.

 

Melike Atalay, 

Arbeitsbedingungen von Komponistinnen vor und nach der Gründung der Türkischen Republik (1923) 

Gegenstand dieser Dissertation sind drei türkische Komponistinnen, die repräsentativ sind für viele andere gleicher musikalischer Richtung, jedoch in drei unterschiedlichen historischen Stationen der türkischen Geschichte stehen: Leyla Saz (1845-1936) war osmanische Komponistin, ausgebildet bis 1861 im Harem, danach ihr gesamtes Leben hindurch künstlerisch tätig. Nazife Aral-Güran (1921-1993), geboren kurz vor Gründung der Türkischen Republik, steht vor dem Hintergrund des kemalistischen Frauenbildes, in dem sich republikanische Ideen widerspiegeln. Yüksel Koptagel (geboren 1931) gehört zur zweiten Generation zeitgenössischer türkischer Komponistinnen nach Gründung der Türkischen Republik. Sie lebte und arbeitete jedoch überwiegend außerhalb der Türkei. Ziel der Dissertation ist es zu untersuchen, wie diese ausgebildeten Komponistinnen innerhalb bestimmter nationaler Konstellationen ihre musikalische Identität entwickeln konnten.

 

Ersin Mihci

Die Formierung nationaler Musik auf beiden Seiten der Ägäis im 19. und 20. Jahrhundert

 

Seit der Etablierung eines unabhängigen griechischen Staates 1830 und der Türkei 1923 widmeten sich beide Staaten einem Projekt der Konstruktion individueller nationaler Identität. Bei diesem Versuch, neue nationale Identitäten zu formieren, spielte Musik eine wichtige Rolle.  Beide Länder bemühten sich, eine neue nationale Musik zu entwerfen, indem sie Modi, Rhythmen und Aufführungsformen traditioneller Musik mit dem Kompositionsstil und der Instrumentation westlicher Musik kombinierten, die damals zum Symbol für Fortschritt und Modernität geworden war. Dieses Dissertationsprojekt konzentriert sich auf exemplarische Werke, die kurz nach der Gründung eines unabhängigen Staates komponiert worden waren. Innerhalb eines musikwissenschaftlichen Rahmens sollen auch zeitgenössische Konzepte von Kultur und Ästhetik im globalen Kontext berücksichtigt werden. Die Arbeit verfolgt einen komparatistischen Ansatz und sucht nach hilfreichen Kriterien für die Erklärung von nationaler Musik und der Nationalisierung von Musik in Griechenland und der Türkei.


Musiktherapie in der Türkei und interkulturelle Musiktherapie in Deutschland

25. – 26. Mai 2012

Konferenz: Hören Sie - Erfahrungsaustausch Deutsch-Türkischer Musiktherapie

Internationale Konferenz des OII in Kooperation mit der Hochschule Magdeburg-Stendal

(Verantwortliche Mitgestalter für das Orient-Institut Istanbul: Dr. habil. Martin Greve & Dr. Alexandre Toumarkine)

Der Dokumentarfilm zur Tagung von Özay Şahin kann im Orient-Institut bestellt werden.