Von Wissensübertragung zu neuen wissenschaftlichen Perspektiven

 

 

Die wissenschaftlichen Arbeiten zu deutschen Exilwissenschaftlern in der Türkei beschäftigen sich großenteils mit dem Beitrag der Exilanten zur türkischen Wissenschaft sowie ihrer persönlichen und familiären Notlage. Dieses Forschungsprojekt hingegen richtet den Blick auf die Beiträge dieser Forscher zu ihren jeweiligen wissenschaftlichen Disziplinen. Hierbei soll eruiert werden, wie sich die Perspektiven der Exilanten während ihres Aufenthalts in der Türkei verändert haben. Anhand des Beispiels der Fakultät für Sprachen, Geschichte und Geographie in Ankara wird dargestellt, in wieweit die neuartige interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Exilanten aber auch mit türkischen Kollegen, die Armut an Quellen und Forschungsmöglichkeiten in bisher bearbeiteten Feldern, die Diskriminierung und Verfolgung in Deutschland und der Status als Flüchtling in der Türkei, sowie die persönliche und akademische Nähe zu humanistischen und sozialistischen türkischen Akademikern die Arbeit der deutschen Exilanten geprägt hat. Die These dieses Projektes ist, dass vielfältige Marginalisierungen das Interesse an der Behandlung von Themen am Rande oder jenseits der eigenen Disziplinen erhöhte und so zu neuen Perspektiven innerhalb der orientalistischen und philologischen Fächer führte.