Erster Weltkrieg

 

Verantwortlich: Prof. Dr. Raoul Motika & Dr. Alexandre Toumarkine

Der Schwerpunkt umfasst mehrere forschungsorientierte Veranstaltungen der nächsten Jahre wie die Thyssen Vorlesungen (2013–2017), die große Weltkriegskonferenz im April 2014 (s.u.) und weitere, geplante und angedachte Konferenzen. Sie sollen die osmanischen Kriegsschauplätze ins Zentrum der weltweiten Kriegsforschung rücken, neue Fragestellungen aufwerfen und nationalistische Mythen auf der Basis aktueller Forschung kritisch hinterfragen.

Eigene Forschung zu Einzelaspekten ist ein weiterer wichtigere Beitrag des Orient-Instituts Istanbul zur internationalen Diskussion um Gründe, Verlauf und Auswirkungen des Kriegs auf die osmanischen Territorien und darüber hinaus. Daneben ist das OII mit A. Toumarkine an der Vorbereitung der Online Encyclopedia of the First World War als Sektionsherausgeber beteiligt.


Not All Quiet on the Ottoman Front: Neglected Perspectives on a Global War, 1914-18, internationale Tagung 8.–12. April 2014

Verantwortlich: Prof. Dr. Raoul Motika & Dr. Alexandre Toumarkine unterstützt von Gülayşe Öcal-Schiweck

Das Orient-Institut Istanbul organisierte gemeinsam mit der Historischen Stiftung (Tarih Vakfı), dem führenden unabhängigen Verband von Historikern in der Türkei, eine Großkonferenz zum 100-jährigen Ausbruch des Ersten Weltkriegs 2014. Die Konferenz soll vor allem im Bereich der neuen Militärgeschichte, zu Kriegserfahrung, Kriegsorganisation sowie Kriegsdiskurs neue Maßstäbe für die Forschung zum osmanischen Kriegsschauplatz setzen. Unterstützt wird die Konferenz durch das Institut Français des Études Anatoliennes, der Bosporus Universität, der Istanbul Bilgi Universität, der Sabancı Universität und der Şehir Universität. Organisatorisch und finanziell sind neben vielen anderen auch die Hrant Dink-Stiftung und das Goethe Institut Istanbul beteiligt. Gespräche mit weiteren Zuwendungsgebern und Organisatoren eigener Panels wurden erfolgreich geführt. 2013 wurde die Konferenz inhaltlich, organisatorisch und durch eine Vielzahl von Abstimmungsgesprächen mit verschiedenen wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen sowie durch das Organisationskomitee bestehend aus Vertretern führender historischer Forschungsinstitute Istanbuls vorbereitet. Die Ausschreibung der Konferenz hat drei Mal mehr Bewerbungen für Vorträge ergeben als Plätze zur Verfügung standen. In einem aufwändigen Auswahl- und Abstimmungsprozess.

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Thyssen Lectures 2013–2017: The Great War Beyond National Perspectives

Verantwortlich: Prof. Dr. Raoul Motika & Dr. Alexandre Toumarkine

Der Erste Weltkrieg als eine der großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts führte zum Zusammenbruch des Osmanischen Reichs wie auch anderer multiethnischer Imperien und zum Zerfall der alten politischen und wirtschaftlichen Ordnung. Das hundertjährige Kriegsjubiläum nehmen das Orient-Institut Istanbul und die Fritz Thyssen Stiftung in Kooperation mit führenden wissenschaftlichen Institutionen der Türkei zum Anlass, sich in einer international besetzten Vortragsreihe mit der Genese, dem Verlauf und den Folgen des „Großen Krieges“ zu beschäftigen. Die Vortragsreihe soll auch ein neues Licht auf die Entwicklung der auf den Trümmern des Krieges entstandenen Staaten wie der Türkischen Republik werfen.

Die Thyssen Lectures finden in Kooperation zwischen der Fritz Thyssen Stiftung und dem Orient-Institut Istanbul statt. Im Rahmen der Thyssen Lectures werden zwischen 2013 und 2017 acht inter-national renommierte Weltkriegsforscher an einer der führenden Istanbuler Universitäten und im Anschluss an einer Universität außerhalb Istanbuls vortragen. Dabei arbeitet das OIl eng mit dem Tarih Vakfı zusammen.

Den ersten Vortrag hielt der hochkarätige Weltkriegsforscher Prof. Dr. Gerd Krumeich am 5. November an der Dokuz Eylül Universität in Izmir (über 300 Zuhörer) und am 7. November im Istanbuler Sakıp Sabancı Museum (über 200 Zuhörer). Darin zeigte, wie sich Kriegsbild und Rüstung kurz vor Ausbruch des Krieges darstellten, und wie durch die Inanspruchnahme aller materiellen und moralischen Ressourcen, durch Massenproduktion und durch ungehemmte Propaganda, der Krieg sich allmählich zum totalen Krieg entwickelte – und wie auch nach Ende des Krieges Hass und Kriegsbereitschaft weiterschwelten. Der simultan übersetzte Vortrag wurde eingeleitet durch die bedeutenden türkischen Historiker Prof. Dr. Kemal Arı in Izmir und Prof. Dr. Cemil Koçak in Istanbul.

Die Vorträge der Reihe werden in den Pera-Blättern veröffentlicht und anschließend in türkischer Übersetzung in einer Internet-Version der Pera-Blätter einer breiteren wissenschaftlichen Öffentlichkeit in der Türkei präsentiert.